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Sahara Rally 2005. |
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 | 21. El Chott: Harte Dünen und ein abgebrannter Nissan am Mittwoch |
 Was für ein Tag! Eigentlich sollte die Etappe am Mittwoch von Douz nach Ksar Ghilane knapp 100 Kilometer durch Dünen und über kleine Pistenteile führen - doch die Dünen erwiesen sich als derart weich und schwer zu fahren, das die Organisation am Morgen beschloss, die Strecke radikal zu kürzen. Dennoch bot die Strecke vor allem das, was die Teilnehmer sich wünschten: Sand, Sand und nochmals Sand.
Entsprechend gut gelaunt war die Stimmung - die bis an ihre Grenzen gehen mussten, oder auch ihre Grenzen überschritten. "Eine wunderschöne Etappe" berichtet KTM-Pilot Tilo Grapenthin. "Am Anfang waren einige Motorradpiloten ein wenig enttäuscht, das die Etappe gekürzt wurde - nach wenigen Metern wurde jedoch klar, das die eigentliche Etappe so nicht zu schaffen gewesen wäre - entweder wegen des Sandes oder wegen mangelnden Sprits. Die Dünen waren heftig, erst leicht zu lesen und schön hart, doch plötzlich optisch genauso fest - aber weich wie nichts. Ich habe mich heute dreimal festgefahren, bin aber dennoch als Dritter ins Ziel gekommen. Eine Schrecksekunde gab es mit einem Kamel, das plötzlich vor mir auf die Piste lief - ich konnte aber zum Glück noch rechtzeitig ausweichen."
Damit gehört Grapenthin zu den Profis, die bereits nach wenigen Stunden im Ziel waren. Zum Vergleich: Einige Teilnehmer gaben vorab auf, kehrten nach Douz zurück oder müssen in den Dünen übernachten. Insgesamt sieben Motorradpiloten haben gemeinsam mit der DK4 (von Patrick Clairquin und Heiko Weber) spontan ein Dünencamp aufgebaut, die DK-Mitarbeiter teilten ihre Essensvorräte unter den "ungeplanten Gästen" auf. Entsprechend verteilte und mischte sich heute das Teilnehmerfeld neu. Die beiden Kia des Hutten Rallyteam kämpften hart mit dem Sand, am Ende blieb der Kia von den Rally-Neulingen Ebert Dollevoet und Winston Post mit einem Defekt stehen und musste von ihrem T4 Unimog versorgt werden. Herman Hutten kam besser durch, musste aber dennoch einige Amateure passieren lassen.
Als Erste kamen heute Ingo Schmude und Arnd Götz mit ihrem Mercedes G ins Ziel, gleich dahinter Willi Fankhauser und Norbert Stadler im Hekla Toyota Landcruiser. Beide brauchten wie die besten Motorräder ebenfalls nur knapp über zwei Stunden. Entsprechend freuten sich die Toyota-Piloten: "Siehst Du, es war doch eine geile Idee, hinter Schmude zu fahren" lachte Stadler gegenüber seinem Piloten. Als Dritter schaffte es der in diesem Jahr eigentlich untermotorisierte Willi Janke. Der Bäcker aus der Nähe von Berlin freute sich besonders: "Ein Wahnsinnstag, wir sind perfekt durchgekommen und konnten massiv Zeit gut machen".
An dem Erstplatzierten Ingo Schmude hing sich eine zeitlang auch Hummer Pilot Eugen Eble gemeinsam mit seinem Copiloten und Kompagnon Thomas Ettrichrätz. "Der Hummer geht wie Sau" so Eble am Abend, "alles läuft, nur mit dem Benzin haben wir immer noch Probleme". Schon gestern wurde das Benzin zu heiss, kochte gar und sorgte für gelegentliche Zwangspausen. Die Benzinpumpe und weitere relevante Teile wurden daraufhin weiter in kühlere Bereiche verlegt, das reichte aber anscheinend noch nicht. "Wir haben heute das Feld von hinten aufgerollt, waren lange an zweiter Position. Obwohl wir Schmude hätten überholen können, habe ich mir immer wieder gesagt, bleib an dem dran, der kanns und bringt dich schnell ins Ziel". Doch wieder einmal war es das zu heisse Benzin, das für erneute Zwangspausen sorgte und so den eigentlich schnellen Hummer (der übrigens nicht mehr mit einem originalen Motor läuft) wieder ins Mittelfeld zurück warf.
Der zweite Hummer des einzigen Damenteams auf der Rally, Dagmar Kleinschmidt und Birgit Zeuch, hatte heute mit den Tücken des Sandes zu kämpfen: "Alles lief bestens, wir waren gut unterwegs bis wir uns in einem Trichter festfuhren. Wir haben versucht, den Hummer freizubekommen, doch das erwies sich als verdammt schwer. Nachdem uns unsere Kräfte verliessen, machten wir erstmal eine Pause. Schade, das wir unseren Laptop nicht dabei hatten, dann hätten wir wenigstens noch einen Film schauen können" lacht Dagmar. Schliesslich haben sich beide aber doch noch einmal aufgerappelt und den Hummer aufwändig freigeschaufelt.
Eine Rauchsäule stieg am Nachmittag über den Dünen auf. Ein Unfall, etwas Schlimmes? Nein, es handelte sich um den Nissan Terrano von Jörg Schade, der sich kurzfristig entschieden hatte, statt als Tourist doch in der Wertung zu starten. Bereits am Dienstag hatte Schade mit Ölproblemen zu kämpfen, heute gab der betagte Nissan seinen Geist ganz auf. Im Schlepptau eines Servicetrucks bemerkte Schade plötzlich Feuer, flugs baute man alles Wertvolle aus und überliess den Geländewagen seinem Schicksal. Nur wenige Minuten später brannte der Nissan lichterloh und Schade muss nun in einem Servicetruck weiter an der Rally teilnehmen.
Für besonders viel Aufregung beim Team Schreck Sport sorgte heute die gestrige Meldung von marathonrally.com, in der Teilnehmer kleine Schummeleien vermuteten. "Das stimmt definitiv nicht" erzählte heute Gerald Jacobys Beifahrer Axel Untersteller, "im Gegenteil, wir sind trotz des Profi-Services und -Fahrzeuges auch nur ein Amateurteam und kennen die Strecken genauso wenig, wie alle anderen auch." Auch das die Teams von Gerald Jacoby/Axel Untersteller sowie Volker Jakoby und Karl Schreck vor der El Chott die Strecken schon abfuhren, dementieren die beiden Teams: "Die Fahrzeuge wurden lediglich nach Tunesien überführt. Beide sind in Tunesien zugelassen, diese Zulassung musste erneuert werden. "Die Meldung hat für ziemlich viel Trubel gesorgt, wir wussten gar nicht, das einige Teilnehmer so denken. Aber das ist doch oft so, da ist man einfach mal gut und keiner gönnt es einem" so Axel Untersteller. Heute fielen der Mitsubishi Pajero und Landrover Defender etwas in der Wertung zurück, nachdem beide Teams wie alle anderen Teilnehmer auch mit den Tücken des extrem weichen Sandes zu kämpfen hatten.
Besonders viel Spass hatte Scania-Truckpilot Peter Niedergesäss und seine Crew, die heute erstmals ihren Scania "so richtig fliegen lassen" konnten. "Auf der Piste ging der Truck sehr gut, wir nahmen den "Offroad-Modus" heraus und schafften es, bis auf wenige Minuten, fast die Zeiten der Kias zu erreichen" so Beifahrer Marcus Senkel. Wenn man den Scania "richtig" gehen lässt, schafft er immerhin 150 km/h. Zumindest hat man ihn bis zu dem Tempo schon gefahren... Ergo hat Niedergesäss, der bisher vor allem beim Trucktrial und der Berlin-Breslau für Furore sorgte, nun auch "Blut geleckt", was Wüstenrallys angeht. "Eine heisse Strecke, war einfach klasse. Mal schauen, wie es weitergeht" berichtete Peter Niedergesäss am Abend.
Wie an jedem Rallytag gibt es natürlich viel mehr zu berichten - da am morgigen Donnerstag jedoch der offizielle Ruhetag angesetzt ist, werden wir diesen nutzen, um ausführlich weiter über die vergangenen Tage zu berichten und ein weiteres Video, sowie aktuelle Bilder und Tabellen zu veröffentlichen. Der Mittwoch-Abend wird traditionsgemäss "gefeiert", auch wenn keine offizielle Feier angesagt ist. Caterer Pit Frey und seine Crew belohnten die Teilnehmer am Abend jedoch mit saftigen Steaks, Pommes Frites und Salat...entsprechend lange war die Schlange vor der Essensausgabe - den ganzen Abend hinweg.
Der Gruss des Tages geht heute an den "Fahrer des türkisen MAN KAT" und kommt von Hummer-Copilotin Birgit Zeuch.
Artikel vom 02.11.2005, Autor: El Chott Live-Team / hs

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