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Sahara Rally 2005. |
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 | 21. El Chott: Strandprolog nach Anbruch der Dunkelheit |
 Nach dem Cateringservice von Pit Frey haben die Organisatoren der 21. El Chott noch eine kleine interessante Neuigkeit von der Libya Desert Challenge übernommen: Einen Prolog im Dunkeln. Der Tag selbst begann noch auf der Fähre Carthage, die am frühen Nachmittag in Tunesien anlegte. Die Zollformalitäten gingen erstaunlich schnell - noch bevor man sein Geld wechseln konnte, waren bereits alle Fahrzeuge aus dem Hafen.
Nach dem Sammeln hinter dem Hafen ging es im Konvoi zum ehemals traditionellen Prolog-Startplatz an den Strand von Bouficha, ca. 20 Kilometer hinter dem ersten Hotel in Hammamet gelegen. Doch anders als in den vergangenen Jahren startete der Prolog in die entgegengesetzte Richtung und führte 11 Kilometer über den Strand vorbei an den ersten Touristenhotels in Richtung Hammamet. Die Strecke wurde von der Orga kurz zuvor abgefahren, gefährliche Stellen mit Fahrzeugen (und Licht) markiert und der Weg so entlang der Wasserkante abgesteckt.
Gefahr boten zu Beginn nur die vielen Fischerboote, deren Anker und nicht zuletzt Netze, die einem Motorradteilnehmer heute schon zum Verhängnis wurden, gefährlich offen am Strand herumliegen. Motorradpilot Alexander Gentgen kam mit seiner altertümlichen Yamaha von der Strecke ab und erwischte ein enges Fischernetz, das sich in der Maschine verhedderte. Wenigstens war Gentgen an dieser Stelle nicht allein - Kollege Dirk Klöppinger, ebenfall unterwegs auf einer Yamaha, hielt kurz, um dem Havarierten zu helfen, blieb dann aber im tiefen Sand stecken und konnte nur noch mit Fremdhilfe geborgen werden. Gentgen hingegen erforderte den ersten Einsatz des Camion Balai.
Neben den Booten galt es noch eine breite Wasserpassage zu kreuzen, bevor es direkt vorbei an den Strandschirmen und Liegen der ersten Hotels ging. Dort steckte bereits ein Servicefahrzeug des slowenischen Mitsubishi-Teams von Andrej Pogacar und Karl Zupanc im tiefen Sand, so das die Teilnehmer fast bis ins Meer ausweichen mussten. Mit Hilfe des Pressefahrzeuges konnte der Mitsubishi jedoch schnell geborgen werden, so das die Strecke wieder frei war.
Überhaupt war neben DER Tücke schlechthin - der Dunkelheit - der Strandsand das grosse Problem. "Hätte nie geglaubt, das der so weich ist" berichtet Quad-Pilot Walter Walschek, "das war genauso heavy wie in den Dünen." Die Idee des Nachtprologes empfand er mit gemischten Gefühlen: "Den Prolog am ersten Tag zu machen ist eine gute Idee, doch die Dunkelheit birgt doch viele Gefahren. Die Autofahrer und Trucks haben genug Licht, wir und die Motorräder müssen nur mit unseren kleinen Scheinwerfern auskommen".
Lachend verbrachte der ehemalige El Chott Sieger und Mit-Favorit Reiner Fink gemeinsam mit Teamkollegen Carsten Riemenschneider das Ende des Prologes: "Wie viele andere Kollegen haben wir gleich am ersten Tag einen gepflegten Abgang über den Lenker hingelegt" berichtet der Magdeburger, "einige hundert Meter vor dem Ziel verlief ein offen gelegenes Abwasserrohr, das ich voll erwischte und kurz daraufhin lag. Ich drehte mich nur nach meinem Kollegen um, hörte ein "Uahh, Sch..." und emfing ihn neben mir landend im Sand. Wir schauten uns an und begannen, furchtbar zu lachen. Ein netter Auftakt!"
Wie erwartet waren schon die Bilder des ersten Abends spektakulär. Obwohl es die Teilnehmer aufgrund des Prologes und der Dunkelheit ruhig angingen, ist das Durchschnittstempo der Rally bereits jetzt deutlich hoch. Besonders für viel Action sorgten vor allem die beiden Kia Sorento des Hutten Rallyteam, die es schon jetzt ordentlich krachen liessen und auf den ersten Kilometern das Feld von hinten aufrollten. Gleich beide Kia schafften es, spektakulär ausgerechnet in der ersten Wasserpassage andere Teilnehmer zu überholen - unter lautem Gejohle der zahlreichen "Hummer"-Touristen, die sich Spalier stehend ebenfalls am Wasserloch, einem breiten Flusszulauf ins Meer, postiert hatten.
"Freak des Tages" war ohne Zweifel der schon ein wenig ältere, naja, sagen wir einmal zumindest grauhaarige Jörg Schade, dessen Sohn Michael im vergangenen Jahr mit Thorsten Wilk im Mercedes G bereits auf der ersten Etappe nach einem spektakulären Überschlag ausfiel. Senior Schade wollte eigentlich als Tourist die Rally begleiten, entschied sich dann auf der Fähre jedoch spontan zu einer Teilnahme in der Wertung, suchte sich Helm und Sicherheitsausstattung zusammen und fand bei der englischen Motorradcrew einen geeigneten Beifahrer, der sich gleich vollends ins Zeug legte. "Mein Englisch ist zwar nicht perfekt, dennoch bin ich sofort im englischen Team wie ein Mitglied aufgenommen worden - ich glaube, nach der Rally ist mein Englisch wieder super". Als Fahrzeug hat er einen ziemlich tief liegenden Nissan Terrano II mit 100 PS, eigentlich etwas zu wenig für eine Rally, "aber das geht".
Doch beim Prolog schon der erste Schreckmoment. Der Nissan wurde ungewöhnlich heiss, daher hielt Schade zweimal an, um mit Meerwasser (!) für frische Kühlung zu sorgen. "Naja, an der ersten Tankstelle musste ich dann das komplette Wasser wieder wechseln, aber es geht weiter", so der "frischeste" aller Rally-Teilnehmer.
Mit Spannung wurde die erste Auswertung erwartet, die schliesslich gegen 1.00 Uhr nachts tunesischer Zeit ausgehangen wurde. Überraschung oder nicht - die beiden Kia aus Holland "verbliesen" die anderen Teilnehmer regelrecht. So gewann das Team Hutten/Wullink den 11 Kilometer langen Prolog mit nur sieben Minuten Fahrzeit, die Teamkollegen Dollevoet/Post kamen nur eine Minute und fünf Sekunden später als Zweite ins Ziel. Dritter wurde das Mercedes G-Team Schmude/Götz, das schon 9 Minuten und 47 Sekunden brauchte - fast drei Minuten später als der erste Kia. Bei den Motorrädern gewann heute Thomas Kleinwächter mit seiner KTM (11:12 Minuten) vor Lisiecki (11:20) und Denzer (11:22).
Artikel vom 30.10.2005, Autor: El Chott Live-Team / hs

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