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 | Erg Oriental: Aufholjagd an der Spitze des Fahrerfeldes |
 Nach einem schnellen und unspektakulären Rundkurs in Nefta am Mittwoch ging es am Donnerstag endlich in den Sand - knapp 240 Wertungskilometer führten die Teilnehmer heute über Pisten, Kamelgrasbuckel und erste Dünen von Nefta nach Douz. Angenehme Überraschung in Douz: Bei stark angestiegenen Temperaturen von über 30 Grad konnte erstmals der Pool des Hotels genüsslich ausgekostet werden - bei der El Chott ist das Wasser meistens schon zu kalt.
Die besonders vielfältige Strecke mit extrem weichen Dünenpassagen sorgte auch für einen ordentlichen Mix in der Wertung. Neben den traditionellen Tagessiegern Jürgen Neidig und Fee Fuchs aus Frankreich schaffte es heute Claus Krüger im MKB Mercedes G an die zweite Stelle, erstmals in der bisherigen Rally hielt auch der schwarze Jeep Cherokee von Lars Adam. Adam bewies nunmehr sein Können und rollte das Feld von hinten auf - als Letzter gestartet kam er heute an Dritter (!) Position ins Ziel. Angesprochen auf seinen äusserst unzuverlässigen Jeep Cherokee hat Adam mittlerweile gelernt: "In Kürze werde ich einen neuen Cherokee kaufen und aufbauen - mein jetziger ist zwar schön, aber total durch".
Beim KOS-Team, bestehend aus dem MKB Mercedes, dem Jeep Cherokee und dem KOS Buggy von Stefan Bruckner scheint allgemein der Wurm vor allem in Sachen Sprit zu stecken. So schaffte es das Team gestern, bei gleich drei Fahrzeugen die Benzinpumpe zu zerstören - und das nicht zum ersten Mal. Die offizielle Begründung: "Schlechter Sprit". Nun tankten die KOS Fahrzeuge aber dort, wo auch alle anderen Teilnehmer tankten. Und die Benzinprobleme traten nicht zum ersten mal auf. Bereits am Dienstag hatten fast alle Fahrzeuge des Teams die gleichen Probleme, auch auf der Libya Desert Challenge im Februar musste sich Lars Adam mit Benzinproblemen (mal die Pumpe, mal ein Schlauch...) abkaempfen.
Vorbei ist es aller Wahrscheinlichkeit nach auch für den neuen KOS-Buggy von Stefan Bruckner. Nachdem er zu Beginn ebenfalls mit der Benzinpumpe haderte und bereits am Montag zum ersten mal ausfiel, schaffte es der Buggy auch am Dienstag und Mittwoch mit ähnlichen Problemen nicht ins Ziel. Heute dann das vorläufige Ende - die Radaufhängung auf der hinteren Beifahrerseite brach ab, zum vierten mal in Folge musste der Buggy (bei seinem ersten Einsatz überhaupt) ins Ziel geschleppt werden.
"Eine wunderbare Strecke" berichtet der Schweizer Motorradpilot Marcel Siegner über die Etappe vom Donnerstag. "Ich habe mich allerdings hoffnungslos verfahren, dadurch viel Zeit verloren. Aber die Rally ist ja noch lang". Gut durchgommen sind heute auch das Schweizer Pärchen Hubert Küchenhoff und Adelheid Alber, beide unterwegs in einem fast schon historischen Toyota J7. Beide waren heute erstaunlich weit vorne dabei, hier erweist sich anscheinend die robuste alte Technik zum Vorteil. "Wir haben uns auch nur einmal festgefahren" freut sich Hubert Küchenhoff.
Nicht nur festgefahren sondern auch gewaltig verfahren hat sich heute auch Matthias Krüger mit seinem Nissan Terrano. "Wir haben einen CP einfach nicht gefunden, dann war der Sand so weich, das wie uns noch festgefahren haben. Doch ein Toyota zog uns schnell raus - bei den Temperaturen zu Schaufeln ist Wahnsinn" berichtet Krüger am Nachmittag. In der Wertung reichte es für ihn heute nur für Platz 6.
Weit abgeschlagen, aber wieder im Rennen ist der rote Nissan Pickup von Andreas Wulf und Anja Bork. Nach der Reparatur am Montag setzten beide am Dienstag aus, starteten am Mittwoch erneut, gingen es aber ruhig an. Am Donnerstag jedoch schienen es beide zu ruhig zu meinen - als einziger Pkw fuhren sie sogar hinter dem einzigen Lkw im Feld her, am Abend waren beide trotz bereits abgebauter CPs gegen 18.00 Uhr immer noch nicht im Ziel.
Eine Ersatztelbeschaffung der besonderen Art erlebten am Mittwoch Wilfried Ropers und Ilja Sivonjic aus Bremerhaven. Die vordere Radnabe ihres Nissan Patrol war defekt, ein Ersatzteil nicht zu bekommen. "Da entdeckte ich aus Zufall den Luxus-Schrottplatz eines örtlichen Tourismus-Unternehmers, auf dem nur nagelneuen, aber verunfallte Toyota Landcruiser und Nissan Patrol stehen" berichtet Ropers. "Da ich wusste, das die Teile hier nicht für die Öffentlichkeit verkauft werden, bin ich einfach aufs Gelände gegangen, habe mein Wunschteil ausgebaut und habe den verdutzten Schrottplatzchef um einen guten Preis gebeten. Nach kurzer Verhandlung gab er schliesslich nach und verkaufte mir das Teil für knapp 65 Euro - ein Spottpreis". Wer freundlich fragte, hatte hingegen Pech. So suchte Andree Ziehm aus Bispingen einen Schlauch für seinen Landcruiser - ebenfalls beim besagten Luxus-Schrottplatz. Doch offiziell sind hier keine Teile zu bekommen...
Die Stimmung zwischen den Teilnehmern ist gut und aufgrund der relativ geringen Teilnehmerzahl angenehm familiär. So wirkt die 1. Erg Oriental wie eine "alte El Chott", auch die Strecken sind überwiegend identisch, wurden lediglich nur ergänzt oder umgearbeitet. Eine hervorragende Arbeit leistet Wolfgang Pasetti in seiner Form als Rennleiter, kümmert sich persönlich um die Probleme der Teilnehmer und fährt jeden Abend die Strecke des Vortages ab. Nur so kam am Mittwoch heraus, das die Strecke vom Donnerstag in grossen Teilen nicht mehr dem Roadbook entspricht, die Änderungen wurden daraufhin beim Fahrerbriefing rechtzeitig bekannt gegeben. Auch eine Unstimmigkeit, ausgelöst von Claus Krüger, der sich ungerecht behandelt fühlte, wurde so im Sinne aller Teilnehmer schnell und einfach gelöst.
Der Rallytross verweilt leider nur eine Nacht in Douz (hier gibt es endlich einmal gutes Essen), setzt dann seine Fahrt am Freitag nach Ksar Ghilane fort, wo insgesamt drei Tage und Nächte verblieben wird. Am Samstag ist ein Ruhetag in Ksar Ghilane angesetzt.
Artikel vom 06.10.2005, Autor: Erg Oriental Live-Team / hs

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