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Erg Oriental: Der "Tag der langen Messer" in den Dünen




Wer an einer Tunesien-Rally teilnimmt, macht dies natürlich, um vorrangig in den Dünen zu fahren. Am Sonntag wurden diese jedoch vielen zum Verhängnis... Veranstalter Jörg Steinhäuser und Gerd Töpperwien sowie deren Team hatten den Dünen-Rundkurs um die Oase Ksar Ghilane aufgrund zu schwerer Bedingungen am Samstag Abend umgestellt und ein neues Roadbook ausgegeben - das bestand überwiegend aus GPS-Punkten, die jedoch in weiten Abständen gesetzt waren. Um alles ein wenig spannender zu machen, wurde zudem ein geheimer CP eingebaut.

Wie bereits berichtet hat sich in diesem Jahr ungewöhnlich viel Sand um die Oase gesammelt, die Dünen sind höher als je zuvor, viele einstige Wege wie der berühmte Kamelpfad zum Fort komplett unter hohen Dünen verschwunden. Selbst die einst einfache Piste vom Fort zur Oase entspricht heute dessem, was ursprünglich dem Kamelpfad entsprach.

Entsprechend schwer tat sich heute ein Grossteil der Teilnehmer mit der Bewältigung der Strecke. Bereits einige hundert Meter hinter CP1, aufgestellt direkt neben dem Fort, ging es in die schweren Dünen, auf einer Länge von einem Kilometer steckten die Fahrzeuge Reihe an Reihe. Einige Teilnehmer traten erst gar nicht an, viele gaben nach wenigen Kilometern auf - nur der "harte Kern" kam durch.

"Wir kämpften uns vier Kilometer weit, doch es war einfach zu heftig" berichtet ein Mitglied des Schweizer Motorradteams SSRT. Gesamt-Führender Marcel Siegner musste heute sogar mit einer leeren Batterie aufgeben und liess sich vom Bergetruck von marathonlogistics ins Ziel schleppen. Zur Freude für dessen Kollegen Rainer (Rari) Wicki, der als eines der wenigen Motorräder ins Ziel kam und auch den ersten Platz in der Tageswertung einfuhr. Der marathonlogistics Bergetruck von Norman Bock und Ralf Meyer musste heute ganze sieben Stunden in den Dünen kämpfen - zwei Fahrzeuge konnten nur dank der Selbstbergeeigenschaften des grosse MAN Kat 8x8 aus den Dünen geholt werden.

Glückspilz des Tages war heute der rote KOS-Buggy von Stefan Bruckner, der endlich einmal nicht liegenblieb, sondern sich im Gegenteil im vorderer Front durch die Dünenfelder bis ins Ziel kämpfte. "Klasse", freute sich Bruckner am Abend, "wenn wir einmal nicht auf einem Stein landen, eine defekte Benzinpumpe oder sonstige defekte Zulieferteile haben, läuft der Buggy wunderbar". Besonders in Hinsicht darauf, das der rote Zweirad-Buggy vor der Rally noch nie ausgiebig getestet werden konnte.

Pechvogel des Tages hingegen war heute das Mercedes-G Team von Mühmel/Lottermoser. In einer Dünensenke kippte der Mercedes um und blieb auf der Seite liegen. Derart ungünstig gelegen konnte der G nur noch mit einer provizierten Rolle über das Dach von der Bessatzung des in Wertung fahrenden MAN Kat geborgen werden. Doch keiner der Insassen kam zu Schaden, der Mercedes hat keine grossen Kapitalschäden und wurde noch in der Nacht wieder gefixt. "Der Überrollkäfig hat uns gerettet" berichtet Peter Mühmel, "dadurch wurde das Dach nicht eingedrückt, auch die Frontscheibe blieb heile. Lediglich das Benzin machte uns Sorgen. Es lief eigentlich nach aussen aus, wanderte durch die Schräglage aber wieder ins Wageninnere. So haben wir Wacht mit dem Feuerlöscher gehalten, bis uns der Bergetruck am Abend herausholte".

Die Pkw, die heute durchkamen, glänzten mit einer nicht geprobten Kooperation. Die vier schnellsten (Claus Krüger, Lars Adam, Jüergen Neidig und Wilfried Ropers) bildeten einen Konvoi, schleppten sich im Wechsel gegenseitig durch die Dünen. Auch die nachfolgenden Fahrzeuge (Krüger/Krüger, Küchenhoff/Alber, Kluge/Kluge) taten sich ebenfalls zusammen. Der KOS-Buggy, als letztes der verbliebenen Fahrzeuge im Ziel, schlug sich wenige Minuten nach den Gruppen alleine durch. Beim versteckten CP2 kamen so am Abend gerade einmal sieben Pkw und nur ein Motorrad durch - und auch bei der Zielkontrolle waren es nur wenige Fahrzeuge und Motorräder mehr.

Das Pärchen Axel und Tanja Kuhn sorgte am Abend kurzfristig für Aufregung - keiner hatte sie gesehen, auf dem Kurs wurden sie nicht mehr gesichtet. Schon wurde alles auf eine Nachtbergung vorbereitet - doch dann die positive Meldung vom Flieger - sie sind wieder aufgetaucht. "Wir haben einen günstigen Einstiegspunkt in die Dünen gesucht, haben einen Punkt angefahren uns dann aber verfahren" berichtet Beifahrerin Tanja Kuhn. Wie der Flieger feststellte, waren beide satte vier Kilometer von der eigentlichen Strecke entfernt...

Auch die Lada-Piloten Markus und Katja Pfeffer hatten heute Pech, schlugen sich erst ungewöhnlich gut durch die Dünen, mussten dann jedoch mit einer defekten Antriebswelle aufgeben. "So ein Mist" berichtet Markus Pfeffer, "es lief so gut - und im Sand sahen wir unsere grosse Chance. Doch es hat nicht sollen sein". Zum Glück hatte das Team Ersatz dabei, so das morgen wieder gestartet werden kann. "Allerdings darf nicht mehr viel passieren" berichtet Markus, "ich brauche das Fahrzeug am Montag nach der Rally wieder als Alltagsfahrzeug".

Spät am Abend dann eine letzte Schrecksekunde: Orga-Mitglied Patrick Bibel und Rennleiter Wolfgang Pasetti fuhren nocheinmal raus in die Dünen, um einen letzten vermissten Motorradfahrer zu holen. Der Sandsturm machte die Sicht jedoch fast unmöglich und so legte Patrick seinen Suzuki Samurai in einer Dünensenke auf das Dach. Pasetti wollte ihn bergen, setzte sich dabei selbst derart fest, das nichts mehr ging. Mittlerweile hatte jedoch der Bergetruck von Andreas Burgard das Motorrad schon geborgen, so machten sich die Orga-Mitglieger Ralf Müller und Andre Ziehm gemeinsam auf, Pasetti und Bibel zu bergen. Doch selbst Profi-Fahrer Ziehm gab auf und so holten er und Müller die havarierten Kollegen zu Fuss aus den Dünen. Die Fahrzeuge werden am morgen geborgen.

Der Gruss des Tages kommt heute von Toyota-Pilot Peter Kluge und dessen Sohn Benjamin - und geht an seine Frau (bzw. die Mutter) Vera. Beiden geht es gut und beide bewältigten die heutige Etappe "mit Mühen", aber fehlerlos. Am Montag soll es in einer weiteren Dünenetappe wieder zurück nach Douz gehen, doch aufgrund eines aufkommenden Sandsturmes wird die Strecke in eine Überführungsfahrt mit einer kleinen Etappe in Douz geändert.

Die Tages- und Gesamtwertung des heutigen Tages werden aufgrund von Verspätungen der Orga erst am Montag veröffentlicht. Somit liegen uns heute auch leider noch keine detaillerten Platzierungen vor.

Artikel vom 09.10.2005, Autor: Erg Oriental Live-Team / hs








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