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 | Erg Oriental: Eine atemberaubende Dünenetappe auf Etappe 6 |
 Vor allem die Dünen sind in diesem Jahr auf der 2. Erg Oriental bisher ein wenig zu knapp bemessen worden (nimmt man einmal die Teilnehmer aus, die aufgrund eines Navigationsfehlers auf der vierten Etappe in den Genuss gleich besonders schwieriger Dünen kamen). Doch die Organisation vertröstete immer wieder auf die fünfte Etappe - und wie sich herausstellte, zu Recht.
Wie berichtet, endete die vierte Etappe in der Ölförder-Anlage "El Borma", nur einen Steinwurf von der algerischen Grenze entfernt. Besonders gespenstisch entwickelte sich die Nacht in El Borma: Alle drei Kilometer standen grosse Gas-Abfackelanlagen, die neben einem pfeifenden Geräusch meterhohe Flammen erzeugten und somit das Rallycamp in ein unheimliches orange-flackerndes Licht tauchten.
Am frühen Morgen starteten die Teilnehmer (heute die Autos vor den Motorrädern) in die Etappe, rund 10 Stunden Vorgabezeit hatte die Organisation den Teilnehmern gewährt. Nach einer Überführung von 18 Kilometer erfolgte der Start zur Wertungsprüfung von knapp 190 Kilometer Dünen ( bis Borj Khadra ) und hiernach noch 110 Kilometer zum Teil stark versandeter Pisten zur ZK bei Tiaret. Nach insgesamt 120 Kilometern war der "Point of no Return" in den Dünen.
Entgegen den aus Ksar Ghilane bekannten kurzen und weichen Dünen entwickelten sich die Sandberge bei El Borma in wahre Ungetüme, eben 100% FIA-tauglich. Doch es waren sanfte Riesen - die sich wie in Libyen geschickt und schnell erklimmen liessen, um dann hart und knapp zu enden - sprich, der Sand auf den Anhöhen zog sich weitläufig hin und entpuppte sich als überwiegend hart, die folgenden Abhänge hingegen waren weich und zumeist extrem steil. Rund 120 Kilometer reine Dünen erzeugten zuerst weiche Knie bei den Teilnehmern, dann Jubel und Begeisterung.
Die Dünen wurden im weiteren Verlauf nicht kleiner, aber umso kniffliger. Und so merkte manch Teilnehmer gar nicht, das er sich zwischendurch auf über zweihundert Meter Höhe befand - vielmehr hatte man mit dem nächsten Anstieg zu kämpfen. Doch selbst für PS-schwache Fahrzeuge gab es immer einen Ausweg, wenn Fahrer und Beifahrer ein gutes Auge hatten. Tiefe Trichter waren hier nicht 20 Meter, sondern 300 Meter breit, entsprechend steile Aufstiege wurden oft unterschätzt.
Besonders gegen Ende der Dünen und mit der fortschreitenden Zeit wurden aus den "gemütlichen und beeindruckenden Freunden" manchmal "grosse und schwierige Feinde", denn die Mittagszeit und deren Temperaturen machten aus so manchen am Morgen noch weichen Aufstiegen butterweiche "Kampfpassagen". Am Ende sollten es jedoch alle Teilnehmer ohne grosse Verzögerungen - und besonders ohne Unfälle - aus den Dünen heraus in die letzte Pistenetappe schaffen.
Entsprechend überschwenglich waren die Geschichten am Abend im Camp, jeder hatte seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen machen dürfen. So zog es die Ersten, Andrea Mayer, Oliver Koepp, Slavko Krivic. Matthias Krüger und Jörg Sand wie an einer Schnur durch die zumeist noch harten Sandberge, im weiteren Feld musste schon mehr gekämpft werden. Dennoch hatten auch viele Mittelfeldler hier ihre grosse Chance.
"Es wahr wunderbar" berichtet Nissan-Pilot Andreas Wulf. "Allerdings ging die Etappe auf Kosten unserer Spaltmasse. Nachdem wir einige Dünen leicht passiert hatten, fehlten an einem Hang ein "paar Meter Düne" und wir krachten mit der Schnauze hart in ein folgendes Dünental. Zum Glück ist aber neben ein wenig Blechschaden nichts passiert". Beeindruckt zeigte sich auch Jörg Sand im Mercedes G: "Wahnsinn, so etwas einmal selbst zu fahren. Wir konnten einige Plätze gutmachen und sind der Spitze näher gekommen. Allerdings hat uns die anschliessende Piste einen Reifen und entsprechend wieder Zeit gekostet" so der Kölner.
Tabellenführer Oliver Koepp (nach der ausser Wertung fahrenden Andrea Mayer wieder einmal Erster) lagen die Dünen besonders: "Ich gebe zu, auch wir steckten kurz fest. Aber die Dünen waren ein Genuss und klasse zu fahren". Das Duo Eisenmann/Wolfram fuhr gemeinsam mit den immer gut aufgelegten Österreichern Helmut Egger und Peter Wagner (beide Toyota Landcruiser): "Wahnsinnsetappe, einfach superschön" schwärmten die Brüder. Auch die Österreicher zeigten sich beeindruckt: "Soetwas haben wir noch nicht erlebt. Schnell zu fahren, nicht immer leicht in der Navigation - aber zudem eine unglaublich beeindruckende Landschaft".
Selbst im hinteren Feld gab es kaum Probleme. Die drei Pinzgauer aus Österreich und Deutschland fuhren zusammen und bargen sich gelegentlich gegenseitig, der Nachwuchspilot Daniel Stammel aus Köln sowie sein Beifahrer Rainer Behlen (Mitsubishi Pajero) bildeten mit dem Bremer Paar Ute Prager und Manfred Patschek (Landrover Defener) ein Team und schafften es so durch die schwierigen Passagen. Pechvogel des Tages wurde das beliebte Doktoren-Team Dr. Ulrich Müller und Dr. Michael Merkt, das sich nach einem hohen Sprung die Spurstange ihres Landrover Defender verbog und so viel Zeit verlor. Doch das Daktec-Serviceteam schaffte es bis spät in die Nacht im Camp, eine neue Spurstange aufzutreiben und den Landrover wieder zu fixen.
Auch bei den Motorrädern lief alles gut, es gab keine Verletzungen. Das Feld führt wie bisher der Schweizer Peter "Pele" Brunner an, sein Schweizer SSRT (Swiss Safari Rallyteam)-Präsident Rainer "Rari" Wicki konnte einige Plätze gutmachen. "Mir liegen die Dünen einfach besser", so Wicki am Abend, "bisher bin ich es eher langsamer angegangen. Ich möchte diese Rally einmal wieder ohne Verletzungen beenden (Wicki hatte in der Vergangenheit mehrfach Pech mit Motorradunfällen).
Somit ging die fünfte Etappe am Abend im Camp Tiaret (einigen noch von der Grand Erg Rally bekannt) gut gelaunt zu Ende - und wird vielen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Und einheitlich heisst es: "Mehr davon!"
Der Gruss des Tages lautet heute wie folgt (die Empfänger mögen sie erkennen): Herzallerliebste Grüsse vom Südzipfel Tunesiens an Ben und Joana von ihrem Papa Janine - Keep on Rolling to the End!"
Artikel vom 16.10.2006, Artikel: Erg Oriental Live Team/hs

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