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 | Erg Oriental: Rally mit Siegerparty in Hammamet zu Ende gegangen |
 Nach einer letzten rund 27 Kilometer langen Etappe am Mittelmeerstrand von Kairouan nach Hammamet und dem Show-Zieleinlauf an der Burg in der Innenstadt von Hammamet ist die 1. Erg Oriental am Donnerstag Nachmittag zu Ende gegangen. Aufgrund des Fastenmonats Ramadan verzichteten die Veranstalter Jörg Steinhäuser und Gerd Töpperwien (sowie das Orga-Team) auf die obligatorische Sektdusche und stiessen daher mit Kamelmilch auf die Sieger der Rally an - Steinhäuser musste in den sauren Apfel beissen und persönlich vor den Augen der Teilnehmer "vorkosten".
Bei den Pkw machte erwartungsgemäss das Range-Rover Team Jürgen Neidig und Fee Fuchs das Rennen, auf den zweiten Platz kam das Team Krüger/Purps mit ihrem Mercedes G MKB (eigentlich das Fahrzeug des Münchener Americanos-Teams des Gastronoms Oliver Köpp). Aufatmen beim Nissan-Team von Matthias Krüger und dessen Sohn Robin - nach dem Schaden auf der letzten grossen Etappe von Douz nach Kairouan am Mittwoch drohte der dritte Platz zu fallen, am Ende reichte es doch noch für die Rathenower. "Das habn wir nur der meisterhaften Leistung unseres Mechanikerteams zu verdanken" freute sich Krüger Senior am Abend sichtlich. Auf Platz vier folgt das Bremerhavener Team Ropers/Sivonjic (Nissan Patrol GR) vor Peter Kluge und dessen Sohn Benjamin (Toyota Landcruiser).
Bei den Motorrädern hat sich das Feld gegen Ende noch einmal kräftig gemischt. So gewann Kaspar Erni mit seiner KTM 620 die Gesamtwertung vor Hansruedi Lehmann (Yamaha WR 450) auf dem zweiten und Frederic Speidel (KTM LC 4) auf dem dritten Platz. Auf den vierten Platz kam Thomas Wütherich (KTM 600 GS) vor Rainer "Rari" Wicki mit seiner Allrad-Yamaha WR 450 F. Der lange Gesamtführende Marcel Signer landete am Ende (nach einem "ausnahmsweisen" Motorradtausch) auf Platz 8.
Das Ende der 1. Erg Oriental wurde am Donnerstag Abend mit der offiziellen Siegerehrung im komplett neu und luxuriös renovierten Hotel Le Sultan am Strand von Hammamet gefeiert. Entgegen den vergangenen El Chott Rallys wurde die Siegerehrung aufgrund der vielen Touristen nicht in der Disko, sondern in einem Koferenzraum begangen. Die anschliessende Siegerparty verlagerte sich dann doch noch in die Disko, verlief jedoch ruhiger und kleiner als gewohnt als bisher - die Tradition des "in den Pool werfens" der Orga-Mitglieder und Teamchefs wurde jedoch beibehalten. Erst am späten Abend stieg die Stimmung, die Schweizer Motorradclique von SSRT wünschte sich vom DJ erfahrungsgemäss härteren Rock, das gefiel und so schwangen alle (inklusive junger aber sehr hübscher Touristinnen) unisono die Luftgitarre. Entgegen den normalen Öffnungszeiten der Disko (bis Mitternacht) machten die tunesischen Mitarbeiter des Hotels wieder einmal eine Ausnahme und liessen die Feier bis 4.00 Uhr morgens "gewähren".
Die Teilnehmer zeigten sich überwiegend sehr zufrieden mit der Ausführung der Rally. Die Roadbücher stimmten überwiegend, nur gelegentliche Probleme mit versetzten Zielkontrollen trübten das Bild ein wenig. Wolfgang Pasetti, eigentlich nur als Sportdirektor engagiert, übernahm nach einigen Tagen die Funktion des Rennleiters und führte eine Vorab-Kontrolle der Strecken (wie bei FIA-Veranstaltungen seit langem üblich) am Vortag der Etappe ein. So wurden zahlreiche ursprüngliche Fehler im Roadbook sowie naturbedingte Änderungen der Strecke rechtzeitig erkannt und geändert.
Lediglich einige der "Profis" an vorderster Front der Rally (die Rally teilte sich ein wenig in "Hardcore-" und "Touristische" Fahrer auf) monierten einige Punkte der Erg Oriental. "Es sind Details, aber die fallen auf, wenn man bewusst auf eine gute Platzierung fährt" berichtet Peter Kluge und verglich die Erg Oriental mit der ebenfalls neuen Tunesien-Rally Grand Erg. "Mir sind noch Mängel in der Orga und der Ausführung aufgefallen, das war bei der Grand Erg besser organisiert." Auch Claus Krüger vom KOS Motorsport Team bemängelte vor allem die "kleinen Dinge, die am Ende viel Zeit gekostet haben". Dabei spielte er vor allem auf zwei Zielkontrollen an, die fälschlicherweise erst nach dem eigentlich angegebenen Punkt platziert, aber von dort nicht zu sehen waren. "Hätten sie die ZKs vor- statt nachgesetzt, wäre alles kein Thema gewesen". Lars Adam bemängelte eine kleine Etappe am vorletzten Tag, die zum Teil durch Wohngebiete führte und Steinwürfe provozierte. "Das Land ist gross genug, das muss nun wirklich nicht sein...zumal die Strecke nur wenige Kilometer lang war". Auch in der Auswertung gab es aufgrund anfänglicher Kommunikationsprobleme kleine, aber im Endeffekt nicht ins Gewicht fallende Unstimmigkeiten.
Alles in allem war die 1. Erg Oriental jedoch ein voller Erfolg, auch wenn die Teilnehmerzahlen noch ein wenig unter den Erwartungen lagen. Die Organisation machte eine gute Arbeit, die CP-Mitarbeiter nahmen ihrem Job ernst. Die Strecken waren zwar überwiegend aus alten Strecken der El Chott zusammengestellt, glänzten durch die Vorab-Kontrollen durch den Rennleiter jedoch mit nur wenigen Fehlern. Das zeitliche Management war trotz einiger umweltbedingter Hindernisse perfekt, in den Camps sorgte die Catering-Crew für eine erstklassige Versorgung mit Getränken und kleinen Mahlzeiten. Selbst Sonderwünsche wurden schnell und unkompliziert erledigt.
Vor allem Kleinigkeiten machten den Teilnehmern Freude. So half die Orga ausführlich bei der Einreise in Tunesien sowie dem Ausfüllen der benötigten Formulare, die Camps waren rechtzeitig aufgebaut, eine funktonierende Radarkontrolle überwachte die Teilnehmer bei Ortsdurchfahrten und sorgte für Zufriedenheit bei Polizei und Garde National. "Das zeigt, die Organisation nimmt unsere Wünsche nach mehr Disziplin der Teilnehmer zwischen der Wertungsprüfungen ernst" berichtete ein Abgesandter der Tunesischen Regierung auf der Siegerparty, "das erleichtert natürlich zukünftige Genehmigungen". Wenig zu tun gab es in diesem Jahr für den Medical Service von Klaus Spörl und seinem Team. Lediglich einige wenige Motorradfahrer erlitten kleine Verletzungen.
Besondere Freude bereitete den Teilnehmern die "Überwachung" des Caterings in Ksar Ghilane. Nachdem viele der Teilnehmer (in Gesprächen) aufgrund schlechter Erfahrungen zunächst auf das Tunesische Catering in der Oase verzichten wollten (um sich selbst mit ausreichend Dosennahrung aus der Heimat zu versorgen), überwachte die Orga die Essenszubereitung im Camp Paradis und entkeimte das Wasser zur Zubereitung von Tee, Kaffee und zum waschen von Lebensmitteln täglich persönlich. So blieben die sonst massenhaften Magenverstimmungen nach dem Besuch in Ksar Ghilane überwiegend aus.
Eines steht auf jeden Fall jetzt schon fest: Es wird eine zweite Erg Oriental geben. Diese dürfte dann nach ersten Gerüchten zwar um die 100 Euro teurer werden, aber dafür soll es auch weitere Verbesserungen geben. So soll der tägliche Vorabcheck wie bei FIA-Veranstaltungen fest ins Programm aufgenommen werden, dazu sind einige neue Strecken in Planung. Unterm Strich war die 1. Erg Oriental somit für Orga und Teilnehmer ein voller Erfolg, auch wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit (noch) unter der anderer Amateur-Veranstaltungen lag. So könnte sich die Erg Oriental langfristig vor allem als günstige Einsteiger-Rally profilieren. "Entgegen vielen Gerüchten rechnet sich die Rally bei diesen Preisen. Bei der diesjährigen Teilnehmerzahl machen wir zwar keinen Gewinn, aber die Kosten sind gedeckt" berichtet Gerd Töpperwien, der bei einer dauerhaften Etablierung der Rally als "würdiger Nachfolger" von Jörg "Steini" Steinhäuser im Gespräch ist. "Aber ganz ehrlich - wir machen diese Rally aus Begeisterung, nicht zur Gewinnoptimierung" unterstreichen Töpperwien und Steinhäuser. Die Teilnehmer stimmten unter lautem Jubel zu.
Artikel vom 14.10.2005, Autor: Erg Oriental Live-Team / hs

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