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Erg Oriental: Steinige Pisten und klare Entscheidungen






Die 7. Etappe der Erg Oriental Sahara Rally endete mit differenzierten Entscheidungen, ein wenig Unmut unter den Teilnehmern und einem endgültigen Machtwort des Veranstalters - doch mehr dazu später. Nach einem Outdoor-Camp nahe der libyschen Grenze riefen die Veranstalter am Morgen zur siebten und vorletzten grossen Etappe von Maktouh nach Tataouine mit knapp 170 Wertungskilometern und 50 Kilometern Überführung. Dabei galt es, zu Beginn besonders steinige Pisten und zum Ende sandige und schnelle Passagen zu bewältigen.

Da die Rally allgemein dem Ende entgegengeht, liessen es die Top-Favoriten etwas ruhiger angehen. Das "Material schonen" war die oberste Devise - und somit ein Aufruf an das hintere Starterfeld, nochmals richtig Gas zu geben...

Das liess sich Jörg Sand, Journalist, Mercedes G Experte und marathonrally.com Redakteur nicht zweimal sagen und scheuchte seinen 280er G derart über die Pisten, das es erneut für Platz 2 in der Tageswertung und nun Platz 6 in der Gesamtwertung reichte. "Ein skurriler Tag" berichtet Sand, "gestern hatten wir den Fehler gemacht, billiges (Schmuggel-) Benzin aus Kanistern (vom Strassenrand) zu tanken, heute war der Benzinfilter entsprechend dicht. Dazu kam ein harter Sprung, der für einen Riss in der Ölwanne sorgte", so der Kölner. Umso erstaunlicher das Ergebnis.

Bisher vom Pech verfolgt wollte es heute auch der Bremerhavener Wilfried Röpers wissen. Er jagte seinen heissgemachten 4-Liter Nissan Patrol über die Pisten und schaffte es am Ende auf Platz Sechs. Auch das Nachwuchs-Duo Stammel/Behlen aus Köln nutzte die Gunst des Tages und fuhr auf Platz Sieben vor. Zu Letzeren muss man sagen, das sie hier ihre erste Rally fahren und dafür nur einen gering modifizierten Mitsubishi Pajero aus den 80er Jahren einsetzen - das zollt besonders Respekt.

Zu den Gewinnern des Tages gehören auch Ute Prager und Manfred Patschek aus Bremen, bisher eher im hinteren Feld der Rally aktiv. Sie pilotierten ihren Landrover Defender auf Platz 9 - knapp vor den immer gut aufgelegten Österreichern Helmut Egger und Peter Wagner aus Österreich (Toyota Landcruiser).

Während Peter Mühmel aus Brandenburg mit seinem Mitsubishi Pajero ein souveränes Rennen fuhr, nun aber auf Position fünf liegend von Jörg Sand (Mercedes G) mit nur 5 Minuten Vorsprung bedroht wird, liessen einige weitere bisher gute Fahrer heute auf sich warten. Das Doktoren-Team Müller/Merkt zerstörte wieder einmal essentielle Teile ihres britischen Landrovers, was beide nun über einen Fahrzeugwechsel nachdenken lässt: "Wieder das Fahrwerk, diesmal haben wir es komplett abgerissen und den Federteller zerstört, dazu wieder ein Reifen - und wir haben keine Ersatzreifen mehr" so Dr. Ulrich Müller, "vielleicht sollte doch mal ein stabileres Fahrzeug her". Auch der rote Nissan Navara von Andreas Wulf und Anja Bork wollte heute nicht so richtig, in der Tageswertung fielen beide auf Platz 15 zurück.

An der Spitze lieferten sich Andrea Mayer (offiziell ausser Wertung), Oliver Koepp und Beifahrer Christian Janke (Mercedes G) sowie die Slowenen Janez Slavko Krivic und Co Dorko Goriup weiterhin ein heisses Duell. Die Buggy-Pilotin Mayer erreichte am Ende sogar einen neuen "Erg Oriental"-Rekord: Mit 2:01:49 Minuten unterbot sie das beste Motorrad um knapp zwei Sekunden - ein schnelleres Auto hatte es bisher nie gegeben. Entsprechend glücklich zeigt sich Mayer´s Teamchef Stefan Bruckner: "Unser Buggy hat keine Probleme, läuft wie eine Eins, einfach wunderbar". Gleichzeitig eine besondere Ingenieursleistung: Der Buggy wurde erst 2005 vollständig fertig, die "Kinderkrankheiten" bereits nach wenigen Wochen gefixt - welcher Buggy-Bauer kann dies schon von sich behaupten...

Round-about also eine klassische Pistenetappe mit ganz besonderen Ergebnissen - doch das "Highlight" des Tages sollte am Abend folgen. Die bisherigen "Pisten-Späher" Jürgen Neidig und Fee Fuchs mussten feststellen, das die letzte "wichtige" Etappe vor der letzten "Show-Strand-Etappe" doch einfacher ausfallen sollte als geplant. Grosse Teile der Strecke wurden mittlerweile asphaltiert und somit "Rally-unwürdig", also musste eine neue Strecke her. Doch woher auf die Schnelle nehmen?

Die Rallygesellschaft sammelte sich gespannt zur Fahrerbesprechung im schicken Hotel Sangho in Tataouine. Was wird kommen, wo werden wir fahren? "Ihr werdet nicht fahren" verkündete die Organisation umgangssprachlich. "Viele Teilnehmer haben Schäden am Fahrzeug, deshalb sagen wir die letzte Etappe ab und fahren direkt als Überführung bis ins vorletzte Hotel-Camp in Kairouan."

"Wie, was" schallte es ihnen entgegen. "Wir wollen die Rally bis zum Ende ausfechten, wer nicht fahren kann, fällt halt aus" so der einstimmige Tenor der Mehrheit. Minutenlang wurde diskutiert und gefachsimpelt. "Wer hat das entschieden" fragten viele sportlich ambitionierte Teilnehmer. Über 30 Minuten ging es hoch her, bis schliesslich "Erg Oriental" Chef-Organisator Jörg Steinhäuser das Mikrofon übernahm: "Die Etappe wird definitiv gefahren, wer nicht starten kann oder will, bekommt eine entsprechende Strafzeit eingetragen". Beifall bei der Mehrheit der Teilnehmer.

Aufatmen bei den Teilnehmern, schliesslich hat man nur noch zwei Tage für wenige Minuten - die für Einige sehr wichtig sind. Während sich Teams und Fahrer über die sportlich korrekte Entscheidung freuten, gab der bisherige Rennleiter seinen Rücktritt bekannt - man hatte ihn für den Fauxpax verantwortlich gemacht.

Somit startet die 2. Erg Oriental am Mittwoch morgen in die vorletzte "echte" Etappe von Tataouine über Ksar Ghilane bis nach Kairouan - bei der einige wichtige Positionen neu entschieden werden dürften. Am Donnerstag endet die Rally dann mit der letzten "Show-Strand-Etappe" am Strand von Sousse - um anschliessend die Sieger im Hotel Le Sultan in Hammamet zu ehren.

Der Gruss des Tages kommt heute vom Kameramann Bemmi, der die Rally mit einem TV-Team begleitet. Bemmi grüsst alle Daheimgebliebenen und betont, das er NICHT das Unfallfahrzeug gefahren hat. Wir als Redaktion können das bestätigen :-)

Artikel vom 18.10.2006, Artikel: Erg Oriental Live Team/hs








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