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 | Erg Oriental: Viele Abenteuer auf der 5. Etappe |
 Wer vor einem Jahr bei der Rally El Chott dabei war, wird sich sicher an den unheimlichen Regenschauer erinnern, der Hotelanlage und nicht zuletzt die Wüste binnen Minuten unter Wasser setzte. Nun - auf der Erg Oriental - erzählte man "Rally-Neulingen" von den Erlebnissen im vergangenen Jahr - und kassierte nur ungläubige Blicke, "Jaja, Wasser in der Wüste". Nur Minuten später zuckten Blitze durch den Nachthimmel und - man mag es kaum glauben - ein gleichwertiger Sturm-Regen platzte über das Camp im Hotel Tuareg in Douz herein.
Die Folge am Freitag: Die Dünen waren durchtränkt von Wasser, bretthart und entsprechend einfach zu bewältigen. Witzigerweise traf es ausgerechnet die, die über die Servicestrecke zur rund 100 Kilometer entfernten Oase Ksar Ghilane kommen wollten. Die sogenannte "Pipeline-Piste" glich stellenweise einem reissendem Fluss, zahlreiche Fahrzeuge mussten gar umkehren. "Unglaublich" berichtet Nissan Pilot Andreas Wulf, der heute nicht in der Wertungspruefung teilnahm, sondern die Servicepiste nutzte. "Ich fuhr in ein Wasserloch und versank bis zur Windschutzscheibe, bin dann aber wieder rausgekommen. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich in Wertung gefahren". Fast ein Drittel der Servicetrucks schafften es so am Freitag gar nicht oder erst spät nach Ksar Ghilane.
Die Etappe vom Freitag führte die Teilnehmer von Douz in die besagte Oase Ksar Ghilane, wo der Rallytross drei Tage verbleiben wird und am Samstag mit einem Ruhetag pausiert. Nach knapp 70 Kilometern Piste ging die Strecke in zuerst leichte, dann schwerere Dünen über. Eigentlich kein Thema, da die Dünen durch den Regen hart und schwer waren. Die Regengrenze verlief jedoch zwischen Douz und Ksar Ghilane, so das die ersten Dünen einfach, und die letzten Dünen butterweich waren. Das musste auch Pressekollege Dirk Köster erfahren, als er seinen langen Toyota HZJ in einem tiefen Dünentrichter versenkte. Medical Klaus Spörl barg das havarierte Fahrzeug schliesslich mittels seiner Seilwinde - der einzigen übrigens auf der Rally. Eine weitere Überraschung für alle, die vor allem das Fort vor Ksar Ghilane kennen - fast alle alten Pisten sind verweht, viele neuen Dünen davor und die zudem Meterhoch. "Das glaubt man nicht, die Landschaft hat sich in einem Jahr derart verändert, das man sich kaum noch zurechtfindet" stellte ein Mitarbeiter des KOS-Teams erstaunt fest.
Sieger der heutigen Etappe war bei den Pkw überraschend Lars Adam mit seinem schwarzen Jeep Cherokee. Angespornt durch seine Ausfälle in den ersten Tagen gab Adam heute alles und überholte schliesslich auch die bis dato vor ihm fahrenden Claus Krüger und Neidig/Fuchs. "Eine klasse Etappe, allerdings sogar noch ein wenig zu oft" stapelte Adam im Ziel tief. "Ich gab Gas, hatte viel Glück und habe nach den ersten Tagen nun einen Etappensieg - was will man mehr". In der Gesamtwertung bringt dies den Bayern jedoch nicht viel weiter, zu schlecht sind die Zeiten durch den Ausfall.
Die bisherigen "Abonnenten" auf Platz 1, Juergen Neidig und Fee Fuchs (Deutsche) aus Frankreich, legten ihr Fahrzeug in Führung liegend heute auf die Seite und wurden von Lars Adam (trotz dessen Etappensieg) wieder aufgerichtet. "Da war der Wurm drin. Seit Jahren ist diese Etappe unser Knackpunkt, diesmal hat es also für einen Unfall gereicht" berichtet Beifahrerin Fee Fuchs. "Das war wie in Zeitlupe. Wir wollten einem Hindernis ausweichen, haben uns zu spät für die richtige Richtung entschieden und erwischten eine Verwehung. Wir standen eigentlich schon, doch dann kippte das Fahrzeug in Zeitlupe um". Doch beide hatten Glück im Unglück, keiner kam zu schaden, am Range Rover wurde lediglich die Scheibe beschädigt - dennoch schafften es beide in der Tageswertung immerhin auf Platz 2.
Sauer war heute der Schweizer Marcel Signer auf dem Motorrad, derzeit in der Gesamtwertung Führender. "Ich kam beim 2. CP an, doch da war nichts. Ich habe gesucht und gesucht, aber immer noch nichts. Dann bin ich zum CP1 zurück gefahren und habe dort nach CP2 gefragt. "Dort oben" hiess es - und tatsächlich, "dort oben" war CP2. Doch "dort oben" war ich vor einer Minute und da war nichts" so Signer. Des Rätsels Lösung: Die Posten des CP2 hatten sich schwer eingesandet, erreichten den CP erst nach dem dritten Teilnehmer. "Das war natürlich genau zwischen meiner Ankunft und meiner Beschwerde" so Signer, "als ich ankam, wurde noch aufgebaut". Doch Organisator Steinhäuser klärte die Situation am Abend, der ersten Motorradteilnehmern wurde entsprechend Zeit gutgeschrieben.
Der Gruss des Tages kommt heute von Peter Bockelbrink´s Beifahrer Jan Rohde und geht mit "den herzallerliebsten Wünschen" an Joana und Ben. Bockelbrink selbst, gestern in der Gesamtwertung auf Platz 2, hatte heute eher weniger Grund zur Freude. "Mein Auto macht keinen Spass" resignierte der Bayer am Abend, "der liegt zu tief und schwankt zu viel". Dazu muss man sagen, das Bockelbrink sein eigentlich perfekt aufgebautes Rallyfahrzeug auf der Libya Desert Challenge im Februar auf das Dach legte und schliesslich an den jetzigen Rennleiter Wolfgang Pasetti verkaufte. "Mein derzeitiges Auto, ein Toyota Landcruiser, ist eigentlich mein Alltagsauto. Aber seit heute weiss ich, das ein neues Rallyfahrzeug her muss". Das ist bereits in Arbeit - Bockelbrink will einen neuen Toyota Pickup aufbauen. Doch mehr dazu demnächst.
Ein weiteres Abenteuer erlebten heute die Mechaniker des Desert-Rally-Teams Krüger aus Rathenow. Zum Glück nur fünf Kilometer hinter Douz brach das Radlager des Mercedes Allrad Servicetrucks. "Wir standen lange an einer Schule, belagert von interessierten Schulkindern" berichtet Toni Skrypek vom Team. "Aus Erfahrung aus dem letzten Jahr suchten wir eine Werkstatt auf, das Teil war natürlich nicht vorrätig. Aber der Werkstattbetreiber telefonierte eine Stunde lang und trieb ein passendes Teil auf". Dabei engagierte sich der Werkstattchef aussergewöhnlich, fuhr mit seinem Quad diverse Teile quer durch die Stadt Douz zur Bearbeitung. "Toyota ist hier kein Problem, Mercedes schon" so der Werkstattchef, "aber wir bekommen das hin".
Artikel vom 07.10.2005, Autor: Erg Oriental Live-Team / hs

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