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Erg Oriental: Vierfacher Rundkurs um die Stadt Douz




Für den Dienstag hatte sich die Organisation etwas Neues ausgedacht: Eine Etappe in Form eines Mini-Rennens gleich hinter dem Kamelstadion von Douz. Das Stadion diente auch als Start- und Zieldurchfahrt, danach mussten ca. 6 Kilometer kleine, aber feste Dünen bewältigt werden, die anschliessend in schier nicht enden wollende (aber real 5 Kilometer lange) Kamelgrasbuckel übergingen. Die insgesamt knapp 15 Kilometer lange Strecke musste viermal hintereinander bewältigt werden.

Die Meinungen über die aussergewöhnliche Art dieser Etappe gingen am Abend auseinander, doch überwiegend wurde der vierfache Rundkurs als positiv aufgenommen. Vor allem die schnellen Fahrer hätten sich lieber eine schnelle Dünenetappe gewünscht: "Wir haben hier so schöne Strecken, sind dann aber nur den kleinen Rundkurs gefahren" meint Range Rover Pilot Jürgen Neidig, "aber die Entscheidung war nunmal getroffen und wir haben mitgemacht". Eine gemischte Meinung hat Lada-Pilot Markus Pfeffer: "Eine nette Idee, eine schöne Strecke. Allerdings fand ich, das zuviel Kamelgras dabei war, habe mir fast mein Auto zerstört." Ganz anders wieder das Mercedes-G-Team Mühmel/Lottermoser: "Eine geile Strecke, ein richtiges Rennen im Rennen. Hier hatte mein G klare Vorteile, ich konnte viel Zeit reinholen".

Besonders gut kam die Idee mit dem Rundkurs bei den zahlreichen Rallytouristen und Servicemitarbeitern an: "Endlich konnten wir einmal live etwas von der Rally mitbekommen, unser Team richtig anfeuern" berichtet Mechaniker "Piefke" vom Desert-Rally-Team Krüger/Krüger. Einige Teilnehmer traten zur heutigen Etappe jedoch nicht an, da man sich nicht noch unnötig Schäden durch die Kamelgrashuckel holen wollte. So starteten nur 12 Pkw, 12 Motorräder und der Lkw in die Etappe.

Besonders krachen liessen es wieder einmal Uwe Spindler und Michael Kaden mit ihrem roten Suzuki Jimny - hier ersetzt ein kräftiger Gasfuss, ganz, ganz viel Mut und fahrerisches Können fehlende Leistung und Bodenfreiheit. "Die Jungs sind echt schmerzfrei" raunten einige Zuschauer, als der Jimny brutalst kurz vor einem drohenden Überschlag auf zwei Rädern spektakulär durch die Kamelgrashuckel preschte. Im Ziel angekommen bedankte sich Uwe Spindler bei den johlenden Zuschauern mit einer 180-Grad Wende. Die Quittung für seine Fahrweise: Beim Jimny passt nunmehr fast kein Teil mehr zum anderen. Die Spaltmasse entsprechen eher russischer Bauweise, die Räder sind fast alle schief, die Kotflügel drücken schon gegen die A-Säule. "Was solls" lacht Spindler, "ist halt ein Rallyauto und nur für diesen Zweck da". Allerdings will der Erzgebirgler nun doch vorsorgen: "Für das nächste Jahr werden wir einige Umbauten vornehmen, so haben wir in den Dünen null Chancen".

Der gelb-weisse Toyota HJ 61 (Baujahr 1988, die "Old Lady") von Martin Grüner und Michael Albers (Team Gasthof Bahnhof) hatte heute auch mit den Tücken der Strecke zu kämpfen. "Die vorderen Blattfedern sind gleich auf beiden Seiten gebrochen" erzählt Grüner, "wir haben uns daraufhin in Zusammenarbeit mit einigen Einheimischen unter den widrigsten Verhältnissen Ersatz besorgt und gleich verbaut, neue Stossdämpfer haben wir auch gleich reingemacht" so Grüner, "am Mittwoch gehts wieder weiter". Bisher lief es für das "Team Gasthof Bahnhof" gut, tapfer hielt man sich im Mittelfeld. "Die Rally macht uns sehr viel Spass. Das Ziel ist jetzt ganz klar Durchkommen - und auf eigener Achse wieder ins Donautal zu kommen".

Riesenpech heute bei den Motorradpiloten Marcel Signer aus der Schweiz und Simon Greenleaf aus Grossbritannien. Bei der Abfahrt von CP2 in der zweiten Runde sprang Signers KTM 660 Rally nicht mehr an - Motorschaden und das Aus für Signer trotz Führung in der Gesamtwertung. Sein Fluchen war noch Dünen weiter zu hören... Ein "Sh... Fuc... Bike" hatte auch der Brite Greenleaf, der nur wenige Meter hinter Signer mit einer defekten Batterie liegen blieb. Eigentlich nicht allzu schlimm, doch Greenleaf hatte bereits in den vergangenen Etappen immer wieder mit kleinen Defekten zu kämpfen.

Doch...am Abend tänzelte auf einmal ein verdammt gut gelaunter Marcel Signer durch das Camp. War das Motorrad etwa doch noch zu reparieren? "Nein" berichtet Signer, "aber ich darf ausnahmsweise mit einer Ersatzmaschine eines Kollegen weiterfahren, der selbst nicht mehr teilnehmen kann. Ich bin zwar in der Klasse abgewertet worden, aber weiter dabei". Dabei stiess Signer einen Jubelschrei aus und fuchtelte freudig mit den Armen.

So werden wir also auch den Schweizer auf der Etappe vom Mittwoch wiedersehen, die nicht mehr durch Sand und Dünen, sondern in Richtung Kairouan durch Gebirge und enge Serpentinen führen wird. Rennleiter Wolfgang Pasetti fuhr die Strecke am Dienstag Nachmittag komplett ab und versprach "eine spannende Etappe". Ein grosses Lob der Veranstaltungsleitung geht übrigens an Frank "Blacky" Horst für die Organisation der Touristen-Gruppe. "Wir haben ein traumhaftes Team" berichtet Horst. Das kam auch bei der Orga an: "Die Touristen sind äusserst zufrieden wie es läuft" meint Jörg Steinhäuser, "das hört man als Veranstalter gerne". Die Touristen-Gruppe organisierte sich ungeplant auch in der Organisation, übernahm so z.B. die Bereitstellung einer Funkbrücke.

Ausführliche Tabellen lagen am Abend in der endgültigen Form leider noch nicht vor, diese reichen wir am Mittwoch Abend nach. Die heutige Etappe gewann bei den Pkw (unbestätigt) das Team Krüger/Purps (Mercedes G MKB) vor Neidig/Fuchs (Range Rover), Mühmel/Lottermoser (Mercedes 280 G), Adam/Hantelmann (Jeep Cherokee) und Krüger/Krüger (Nissan Terrano). Bei den Motorrädern kam heute Reiner Wicki vor Klaus Strenzl, Kaspar Erni, Hansruedi Lehmann und Frédéric Speidel ins Ziel. In der Gesamtwertung gibt es somit keine grossen Veränderungen bei dem Pkw-Spitzenfeld, bei den Motorrädern übernahm Kaspar Erni nach dem heutigen (vorübergehenden) Ausfall von Marcel Signer die Führung.

Artikel vom 11.10.2005, Autor: Erg Oriental Live-Team / hs








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