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Grand Erg: Veranstaltung glänzte durch eine Top-Organisation




Was kochten die Gemüter im vergangenen Jahr hoch, gleich drei Amateur-Wüstenrallys in Tunesien, das kann doch nicht gutgehen. Kann es doch, behaupteten wir schon nach der Erg Oriental und El Chott, denn jede Veranstaltung hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Zielgruppe. Nur eine fehlte uns noch im Portfolio: Die Grand Erg, veranstaltet von Jörg Russler, Karl Schreck, Eki Schönleitner und deren Team. Vor allem die Organisation sollte hier nicht nur gut, sondern perfekt sein - die Startpreise hingegen teurer als bei den Wettbewerbern. Was ist dran?

Nun hatte also auch marathonrally.com die Gelegenheit, einmal die Grand Erg zu begleiten und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Und Tatsache, Russler und sein Team scheinen es geschafft zu haben, die "Klaus Leiheners und Franz Aigners" der Wüstenrallys zu werden. Nicht nur grundsätzliche organisatorische Dinge stimmten, Russler und seine Crew sind sogar detailversessen.

Grundsätzlich wollte sich die Organisation ursprünglich durch einen sehr hohen Anspruch und einem strengen Reglement nach FIA von den anderen Veranstaltungen absetzen. "Smells like Dakar-Spirit" lautet das neue, spontan aus der Traufe gehobene Motto. Das ist auch gelungen, so ist die Grand Erg bis dato die erste Amateur-Wüstenrally, die auch Marathon-Etappen mit Parc Fermé bietet. Auch das Reglement ist streng - kleine, menschliche Ausnahmen gibt es allerdings natürlich auch hier, wenn auch erst nach Abstimmung mit allen Teilnehmern.

Die Grand Erg machte es vor, die anderen Rally machen es in diesem Jahr auch - ab in den Süden ist die Devise. Warum die anderen Veranstaltungen bisher immer kaum in den Süden gingen, ist uns anlässlich wunderschöner Strecken und Landschaften heute umso mehr unklar. So lernten wir als "Nicht-Tunesien-Freaks", das eine Wüstenrally im Süden noch viel mehr Spass machen kann. Die Dünen sind höher, die Strecken schneller und die Landschaften atemberaubender - und im Allgemeinen dann doch einfacher, als z.B. zwischen Ksar Ghilane und Douz.

Ein grosses Lob auch dafür, das es gleich zu Beginn in einem grossen Rutsch gen Süden ging. Zwar entfiel die ansich angenehme "Eingewöhnungsphase" im Hammamet (wie bei El Chott und Erg Oriental der Fall), aber irgendwie vermisste dies auch keiner, da man gleich am ersten Morgen in Tunesien im interessanteren Teil des Landes war. Freundliche Menschen, nicht ein Steinwurf, keine Camps in ungemütlichen oder Touristen-unfreundlichen Gegenden. Und auch wenn die Grand Erg etwas exklusiver sein will (die Auswahl der Hotels entsprach etwa denen der El Chott oder Erg Oriental), ein grosses und gemütliches Aussencamp gab es im Süden innerhalb einer militärischen Ölförderanlage ebenso - und das gehört irgendwie doch mit dazu.

Neben perfekten Roadbooks (wer sich hier vernavigierte, war zu 99% selbst schuld) und sehr gut ausgearbeiteten Strecken war es vor allem die Orga, die insich stimmte und einem immer das Gefühl gab, für sie wichtig und gut aufgehoben zu sein. Das lag mit Sicherheit auch an Russlers Art, die Orga und die Teilnehmer zu briefen - wenn Besprechung war, hatten alle dazusein, zuzuhören und aufzupassen. Und auch wenn die Orgabesprechungen mitunter ein wenig militärischen Charakter hatten, scheint dies eines der Geheimnisse zu sein: Alles klappte, jeder kannte seine Aufgabe, die Orga-Teams arbeiteten Hand in Hand. Selbst die Presse wurde eindrucksvoll gebrieft, interessante Punkte vorgeschlagen und fair unter den Kollegen verteilt.

Besonders im Detail brachten einen immer wieder kleine Aufmerksamkeiten zum Schmunzeln - und waren es nur so Kleinigkeiten, wie eine persönliche Begrüssung eines jeden Teilnehmers an dessen Hoteltür.

Selten haben wir bisher eine derart geschlossene, einstimmige Zufriedenheit unter den Teilnehmern erlebt. Der Mix der Strecken tat ihr Übriges: An einem Tag hart und lang - und man sah Abends keinen einzigen Teilnehmer mehr relaxen. Am nächsten Tag wieder etwas softer - mit genügend Zeit zum ausgelassenen Feiern, bei von Karl Schreck und dessem Kollegen Achim persönlich gegrillten Steaks und von Getränke-Boecken gesponsertem Bier (sorry, Kölsch) - übrigens sehr angenehm, nicht bei jeder Kleinigkeit das Portemonnaie zu zücken, da im Endeffekt alles "All-inclusive" war.

Zum Abschluss der Rally erlauben wir uns daher, ein Zitat eines Teilnehmers aufzunehmen: "Wenn man die auf den ersten Blick erschreckend hohe Meldegebühr in Relation zur gebotenen Leistung setzt, kann kein normal rechnender und denkender Mensch meckern. Es beginnt mit einem ausgezeichneten Roadbook (das seinen Namen auch wirklich verdient), geht über eine technische, medizinische und sonstige Rundumversorgung und endet bei einem stets um seine Teilnehmer besorgten und "offenohrigen" Organisator samt hoch motivierten Orga-Team" berichtet Michael Nussbaum, der sich auf der Rally sogar noch sein Fahrzeug komplett zerstörte.

Freuen wir uns in Zukunft also mit der Grand Erg, Erg Oriental und El Chott auf drei grosse Amateur-Wüstenrallys in Tunesien - jede mit ihrem eigenen Anspruch, jede mit ihrer eigenen Zielgruppe und jede für einen gerechtfertigten Preis. Und hoffen wir, das jeder Veranstalter immer ein für sich interessantes Angebot bietet - dann werden wir noch lange die Wahl zwischen nunmehr drei sehr schönen Veranstaltungen haben.

Oder wie beweist es der Österreichische Teilnehmer "Willi" Bäcker: "Ich finde die Grand Erg, diesen Sport und das Land so schön, das ich in diesem Jahr auch noch die El Chott fahren werde!" Kombination könnte also auch ein neuer Trend werden...

Artikel vom 19.05.2006, Autor: Grand Erg Liveteam/hs








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