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Grand Erg: Wunderschöne Riesendünen am zweiten Rallytag



Nachdem es keine Zusammenfassung vom gestrigen Samstag gab (aufgrund der langen Strecken fehlte einfach die Zeit), gibt es am heutigen Sonntag einen etwas längeren Bericht, der kurz auch die gestrigen Ereignisse zusammenfasst.

Die Etappe vom Samstag ging mit knapp 270 Kilometern in Wertung von Tataouine nach Tiaret im Süden Tunesiens. In Tiaret selbst erwartete die Teilnehmer kein Hotel oder Campingplatz, sondern eine Militär- und Ölförderstation, eingebettet in einer kleinen Oase, in der die Teilnehmer zum Teil in kleinen Bungalows (soweit man dies so nennen kann) untergebracht wurden. Freiwillige und Mitglieder der Organisation schliefen in Zelten.

Die Etappe selbst bestand aus überwiegend Hochgeschwindigkeitspisten, die an diversen Industrie- und Ölförderanlagen vorbeiführte. Dabei musste ein verschlammtes Wadi durchquert werden, in dem die Mitsubishi-Piloten Gerald Jacoby und Axel Untersteller ihren Pajero ersteinmal mit der Schnauze voran in einem Loch "parkten". Fahrzeug und Piloten blieben jedoch unversehrt - und schafften es am Ende sogar zu einem Tagessieg. "Die Strecke war super" berichtet Beifahrer Untersteller, "hohe Geschwindigkeiten, abwechslungsreiches Gelände und eine einwandfreie Navigation".

An zweiter Stelle kam das Toyota-Team Frank Henning/Ulrich Leardi über die Ziellinie, gefolgt von dem österreichischen Vater-Sohn Duo Wilhelm und Bernhard Bäcker in ihrem silbernen Mitsubishi Pajero. "Eine schöne Etappe" berichtet Wilhelm Bäcker, der vielen noch von der El Chott bekannt sein dürfte. "Auf der Chott werde ich auch wieder starten" verrät Becker, "allerdings mit einem neu aufgebauten Mercedes G Pickup".

Wie auf Knopfdruck begann am Samstag Abend ein Sandsturm, der die mittlerweile heissen Temperaturen von bis zu 42 Grad (in der Sonne) in wenigen Sekunden abkühlte und einem kräftig Sand ins Gesicht blies. Der Stimmung im Camp tat dies keinen Abbruch, bis zum Morgen feierte ein Grossteil der Teilnehmer feucht-fröhlich in "Berlin-Breslau Manier" den "echten" Start der Rally.

Veranstalter Jörg Russler gab sich grosszügig und liess die heutige Etappe erst um 10:30 starten - und das nicht nur wegen der Feierlichkeiten. Die Organisation hatte eine fantastische Route bis an die Grenze Libyens (teilweise nur knapp 200 Meter entfernt) ausgearbeitet - mit Dünen, die denen in Libyen sehr nahe kamen. Bis zu 400 Meter hoch türmten sich die Sandberge auf - und mussten unterbrochen von teils steilen und gefährlichen Kämmen von allen Teilnehmern gemeistert werden.

Doch der Sand hatte ein Einsehen und erwies sich (wie in Libyen) als verhältnismässig hart. Entsprechend Spass machte es, die gigantischen Dünen zu durchqueren, wilde Buddeleien wie in weichen Sandregionen bei Ksar Ghilane wurden fast gänzlich vermieden.

Auf der knapp 250 Kilometer langen Wertungsprüfung prägten jedoch nicht nur Dünen das Bild, die Organisation hatte die zweite Hälfte der Strecke "auch für´s Auge" ausgearbeitet. So ging es nach den Dünenfeldern in diverse Ebenen, teils bestehend aus weichem Sand oder scharfkantigen Steinen, sowie durch ein halb-ausgetrocknetes Wadi, das unter einer harten Deckschicht butterweichen Sand verbarg. Pech für den, der hier auf einer gelegten Spur fuhr - nur Zentimeter daneben ging es mit der doppelten Geschwindigkeit voran.

"Eine wunderschöne Etappe" berichtet Land Rover Pilot Volker Jacoby, der heute vom Pech verfolgt wurde. In vorderer Position liegend löste sich der Auspufftopf und sorgte im Dünensand immer wieder für ungeplante Unterbrechungen. Bei der DK 9 wurde der Topf notdürftig repariert, löste sich dann jedoch wieder. Jacoby kam nur wenige Minuten nach der Maximalzeit ins Ziel - und sollte eigentlich eine saftige Zeitstrafe kassieren. Der Fairness halber liess Veranstalter Russler die anderen Teilnehmer entscheiden, ob die Zeitstrafe ausgeprochen werden sollte - und die Teilnehmer entschieden sich dagegen. Somit sind für Volker Jacoby wieder alle Chancen offen - und er bedankte sich am Abend mit einigen kühlen Litern "Kölsch", die der Teilnehmer und Getränkeversorger Eric Boecken (MAN KAT 4x4) allabendlich frisch in den Camps zapft.

Das Wetter hat wie erwähnt komplett umgeschlagen. Statt kühlen Temperaturen und Regen herrschen im Süden tagsüber bis zu 42 Grad in der Sonne, die Abende werden von kühlen Winden und Temperaturen von 20 Grad bestimmt. Trotz gelegentlicher Wolken brennt die Sonne unerbittlich, was sich anhand der Körperbräune zeigt. Nimmt man die Arbanduhr ab, erkennt man einen Farbunterschied, wie man ihn sonst nach zwei Wochen "Normalurlaub" bekommt...

Der zweite Rallytag brachte allerdings auch die ersten Ausfälle. Ein Orga-Fahrzeug (Toyota Landcruiser) brach sich die Steckachse, das Team Andreas Malzer/Fabiab Luber, unterwegs mit einem betagten Nissan Pickup, fiel mit einem Kupplungsschaden aus und der Nissan Patrol von Heike und Michael Nussbaum musste nach einem kapitalen Motorschaden ins Camp geschleppt werden. Der MAN Kat 4x4 von Eric und Daniel Boecken sowie Michael Werner fiel mit technischen Problemen zurück und schaffte die Maximalzeit nicht mehr, ist aber weiterhin im Rennen.

Am morgigen Montag geht es über knapp 230 Kilometer zurück nach Tataouine, dabei müssen einige kleine Dünenfelder und extrem steinige Gebirge durchquert werden. "Die morgige Etappe hat an einer Stelle Trial-Charakter" berichtet Veranstalter Jörg Russler. "An einem sehr steilen Berghang müssen die Teilnehmer ihren Weg zu einer sichtbaren DK durch grosse Felsen suchen". Es bleibt also spannend...

Artikel vom 07.05.2006, Autor: Grand Erg Liveteam/hs








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