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Libya Rally Raid: Bernard Dhont baut seinen Vorsprung weiter aus





"Normann Bock Memorial" - so hiess der heutige Rundkurs (3. Etappe), der nach dem im vergangenen April verstorbenen Rally-Logistiker und -Teilnehmer Normann Bock benannt wurde. Dünen, Dünen, Dünen - 138 Kilometer führte die Strecke direkt vom "Camp Afrika" aus durch den dicht anliegenden Dünengürtel mit langen und vor allem hohen Sandgebirgen. Erschwert wurde die Etappe von einem Sandsturm, der die Sicht stark einschränkte.

Der Tag war mit bis zu 38 Grad in der Sonne besonders heiss, auch die Nacht ist mit 24 Grad sehr angenehm. Viele Rallyteilnehmer verzichten angesichts der schönen Temperaturen auf ihr Zelt oder Wohnmobil und schlafen unter freiem Himmel im Camp oder (mit Polizeibewachung) sogar auf den nur wenige Meter entfernten Dünen.

Die Etappe war nicht so schwer wie am Donnerstag - aber dennoch anspruchsvoll. "Viele Dünen waren sehr weich, deshalb brauchte man viel Schwung um rüberzukommen" berichtet Roland Kilzer, der heute nach technischen Problemen in den vergangenen Tagen erstmals an einer Etappe teilnahm. "Kaum bin ich in den Dünen, erwischt es mich auch gleich" grinst Kilzer, "an einem steilen Dünenhang versagte meine Motorelektronik erneut und ich musste mit extra viel Gas über die Kuppe. Dabei hob ich ab und landete mit der Schnauze hinter der Düne. Zum Glück ist nichts passiert." Doch der Schwabe hatte wieder Pech: Der als behoben erhoffte Fehler in der Motorsteuerung trat erneut auf. "Ich bin zwar ins Ziel gekommen, aber stotternd und nur mit 20 km/h" so Kilzer. "In den nächsten Tagen werden ich mich erstmal wieder den Touristen anschliessen."

Auf der Etappe konnte der sympathische Belgier Bernard Dhont seine Führung in der Gesamtwertung weiter ausbauen und fuhr erneut einen Tagessieg ein. Mit 14 Stunden, 16 Minuten und 38 Sekunden liegt der Mercedes G320-Pilot mit über drei Stunden Vorsprung vor dem Schweizer Team Eisenmann/Eisenmann (Toyota Landcruiser) und dem Vater-Sohn-Duo Asmus/Asmus (Toyota Landcruiser).

Auf der Libya Rally Raid fällt derzeit vor allem die faire Gemeinschaft unter den Teilnehmern auf. Bei schwierigen Passagen hilft man sich immer wieder gegenseitig, weniger erfahrene Teams arbeiten mit mehr erfahrenen Teams zusammen, der Belgier Dhont wartet auch schon einmal in besonders kniffligen Passagen auf weitere Teilnehmer, um ihnen einen Weg zu zeigen. "Das ist unglaublich toll" berichtet Malte Asmus, "es ist ein totales Miteinander. Die Belgier bleiben sogar auch schon einmal vor dem Ziel stehen - um einem anderen Team den Tagessieg zu schenken, einfach klasse!"

Vor allem Asmus macht immer mehr positiv auf sich aufmerksam. "Das Vater und Sohn Duo hat mich beeindruckt" berichtet Roland Kilzer. "Die fahren gut vor, trauen sich was und sind umheimlich hilfsbereit." Auf der heutigen Etappe fuhren sie sogar wieder zurück, nachdem sie bemerkten, das Andreas Wulf und Anja Bork (Nissan Navara) hinter ihnen fehlten. Das Nissan-Team kam einen steilen Hang nicht hoch, die Leistung fehlte. Am Ende mussten sie die Etappe abbrechen, da eine Umfahrung der schwierigen Passage nicht möglich war. "Es hat sich herausgestellt, das der Luftfilter einfach nur zu war, nichts Schlimmes also" berichtet Wulf am Abend.

Nach einer Pause am Donnerstag ist auch Hans Peter Kessler mit seinem ORC Mercedes ML T2 wieder im Rennen. Kessler hatte vor der Abreise nach Libyen auf falsche (gebrauchte) Reifen gesetzt und sich seine zwei (!) Ersatzreifen gleich auf der ersten Etappe zerstört. Daher setzte er am Donnerstag aus, um in Libyen bessere (neue) Reifen zu organisieren. Diese fand er schliesslich auch und startete am Freitag in die dritte Etappe, die er an fünfter Position beendete.

Am Vormittag endete ein besonderes Abenteuer für die beiden Race-Trucks der Familie Schumann. Beide Trucks hatten die gestrige Etappe nicht mehr bei Tageslicht geschafft und blieben zusammen mit einige Aania-Mitarbeitern in den Dünen. "Das war eine besondere Nacht" berichtet Beifahrer Gröger. "Die Libyer haben uns mit Essen versorgt und es war eine besondere Atmosphäre. Die Etappe selbst war richtig hart, wir mussten ordentlich kämpfen."

Die Trucks lasen unterwegs auch die einzige Motorradpilotin Elisabeth Milett aus England (ausserhalb der Wertung) auf, die mit einem Defekt auf der halben Strecke liegen geblieben war. Melit lief zu Fuss (ausgerüstet mit Wasser und Snacks) über drei Stunden (!) bis zum zweiten CP, um ihren Schaden zu melden - da sie von der eigentlichen Route abgekommen war, hätte sie der Bergetruck von Jörg Schumann nicht finden können.

Am Samstag verlässt der Rallytross das angenehme (weil touristisch erschlossen, mit sanitären Anlagen versehen und wunderschön am Dünenrand gelegene) "Camp Africa" und macht sich auf den Weg ins knapp 420 Kilometer entfernte "Camp Eyes", ein eigenes Camp "in the middle of nowhere". Auf der 4. Etappe müssen überwiegend schnelle Pisten und gelegentliche Dünen passiert werden. 296 Kilometer werden dabei in Wertung gefahren, der Rest als Überführung.

Artikel vom 21.03.2008, Libya Rally Raid Liveteam








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