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Libya Rally Raid: Dhont/De Bruijn gewinnen mit ORC in Libyen





Wer hätte das gedacht - gegen Ende der 1. Libya Rally Raid wurde es noch einmal richtig spannend. Lange Zeit sah es so aus, das die Belgier Bernard Dhont und sein Beifahrer De Bruijn mit ihrem ORC Mercedes G320 klar den Sieg einfahren - doch dann kam "der Samstag", an dem sich die beiden im Sandsturm in den Dünen verfuhren, durch ein ausgefallenes GPS-Gerät die Orientierung verloren und daraufhin fast den gesamten Sonntag durch die Organisation gesucht werden mussten - wodurch eine komplette Etappe (durch das Akakus-Gebirge) ausfallen musste.

Durch die Zeitstrafen hatten die Belgier nur noch einen minimalen Vorsprung von 6 Minuten auf ihre Verfolger Eisenmann/Eisenmann (Schweiz/Toyota Landcruiser) - das Vater-Sohn Duo Asmus/Asmus war mit drei Stunden Rückstand zu weit entfernt. ORC-Chef Hans Baur wollte den Sieg für sein Team, vor allem, nachdem am Vortag auf einer wunderschönen Pisten-Dünenetappen bereits unerwartet Hans-Dieter Kessler mit seinem fast serienmässigen Mercedes ML einen Etappensieg einfuhr. So gab Baur "grünes Licht" an die Belgier: "Holt raus was ihr könnt!" Und Dhont/De Bruijn gaben Alles, liessen den Mercedes G ein letztes mal richtig fliegen und fuhren knapp 25 Minuten Vorsprung auf die Deutsch-Schweizer Brüder Eisenmann heraus. Zudem profitierten die Belgier von einem Navigationsfehler der Toyota-Piloten, durch den diese wertvolle Zeit verloren.

Die letzte Etappe führte über knapp 400 Kilometer vom Camp Aania am Rand der Dünen in die Stadt Ghadames, an der am Dienstag Abend die Siegerehrung stattfand. 150 Kilometer ging es über brutal-steinige und ausgefahrene Pisten, es folgte eine moderne, frisch präparierte Piste und am Ende knapp 110 Kilometer Asphaltstrasse. An der Spitze lieferten sich Dhont/De Bruijn und Kessler/Schreier ein ORC-internes Duell, am Ende reichte es für einen ORC-Mercedes Doppelsieg (Dhont vor Kessler) mit nur knapp 6 Minuten Differenz. An dritter Stelle schafften es Vater und Sohn Asmus mit ihrem Toyota Landcruiser über die Ziellinie, gefolgt von Eisenmann/Eisenmann.

Das der letzte Tag nicht zu unterschätzen ist, erfuhr heute schmerzlich das Lübecker Team Andreas Wulf/Anja Bork (Gesamt-Fünfte). Auf der Hälfte der Strecke blieb ihr Nissan Navara mit einem Motorschaden liegen, nichts ging mehr, Reparatur in Libyen unmöglich. Auf dem Rücken der Bergetrucks ging es ins Camp. Für die Lübecker ein harter Schlag: "Wir hatten mit allem gerechnet, nur damit nicht. Ausgerechnet auf der letzten Etappe, ausgerechnet ein derart heftiger Schaden. Schade, einfach nur schade" so Andreas Wulf.

Riesenfreude hingegen beim Team ORC: "Ein schönes Ergebnis, auch wenn wir mit dem Team Hermle einen Ausfall zu verzeichnen haben. Bernard Dhont und sein Beifahrer sind sehr gut gefahren und auch die Technik hat mitgespielt. Fasziniert mich auch das Team Kessler/Schreier, die mit einem serienmässigen ML angetreten sind. Das Auto sieht zwar professionell aus und macht auch ordentlich Sound, aber bis auf den Überrollkäfig und einige Kleinigkeiten ist das Auto serienmässig. Keine Spezial-Fahrwerk, nichts. Hans-Dieter Kessler hat dem Wagen nichts geschenkt, ist trotz diverser Rückschläge immer wieder gestartet und hat es ins Ziel geschafft, sehr gut" so Baur am Dienstag Abend.

Die Brüder Eisenmann waren über ihre plötzliche Fast-Führung überrascht: "Wer hätte gedacht, wie schnell sich das Blatt nach der Samstags-Etappe wenden konnte. Natürlich haben wir gehofft, das wir den Gesamtsieg noch einfahren können, aber Dhont hatte einen "Freifahrtschein" - da konnten wir mit unserem Toyota nicht mithalten. Aber es hat wahnsinnig viel Spass gemacht. Toll war auch die Fairness unter den Teilnehmern - man hat nicht nur gegeneinander gekämpft, sondern auch miteinander gearbeitet, vor allem auf der anspruchsvollen Dünenetappe ins Camp Aania" so Thomas Eisenmann.

Am Abend wurde das Ende der Rally mit einer grossen Siegerehrung in Ghadames gefeiert - dabei fuhren "Chefkoch" Pit Frey und seine Crew nochmals eines ihrer fantastischen Gourmet-Essen auf. Als Dank für seine Dienste hatte Daktec-Chef Matthias Krüger eine Besonderheit vorbereitet: Aus einer halb-geschmolzenen Felge seines (auf der zweiten Überführung) ausgebrannten Begleit-Jeep Cherokee bastelte Krüger eine Art Pokal, den er gemeinsam mit Medical Klaus Spörl dem verdutzen Frey überreichte.

Am Mittwoch begibt sich der Rallytross zurück nach Tunesien, dort werden auf dem Weg zur Fähre nach Tunis noch zwei weitere Camps aufgeschlagen. Das kurze Vorab-Resultat der Premieren-Veranstaltung: Keine Verletzten, anspruchsvolle und atemberaubende Strecken, traumhafte Landschaften, eine gut zusammenspielende Organisation - und nicht zuletzt eine äusserst zufriedene touristische Begleitung. Und eines steht jetzt schon fest: Es geht weiter. "Wir haben die Rally vorab für drei Jahre geplant und werden dieses Ziel auf jeden Fall durchziehen" berichtet Hartmut "Hartl" Schumann, einer der Investoren der Rally. "Dafür, das es das erste mal war, ist es gut gelaufen, vor allem der sportliche Part hat sehr gut funktioniert."

Eine ausführliche Zusammenfassung der Rallyereignisse, Stimmen und Meinungen finden Sie in den kommenden Tagen in den News von marathonrally.com - dazu auch einen Bericht über die touristische Begleitung der Rally.

Artikel vom 25.03.2008, Libya Rally Raid Liveteam








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