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Pharaons 2006: Eine erste Zusammenfassung der Rally







Bereits zum zweiten mal als Lauf zum FIA Marathonrally Worldcup startete am Dienstag die traditionelle "Pharaonen Rally" - die grösste Marathonrally nach der Dakar - eindrucksvoll vor der Sphinx und den Pyramiden in Gizah nahe Kairo. Mit 22 Pkw, 74 Motorrädern und 7 Trucks ist die Pharaonen Rally 2006 so gross besetzt wie nie zuvor. Als deutsches Highlight sollten eigentlich Jutta Kleinschmidt und Tina Thörner ihren Einstand im X-Raid BMW X3CC feiern - doch das Fahrzeug wurde nicht rechtzeitig (für den technischen Stand der Dakar 2007) fertig und so sagte das deutsch-schwedische Damenduo die Rally kurzfristig ab.

Dennoch ist das Starterfeld mit zwei X-Raid BMW X5, zwei Dessoude-Nissan, zwei Promotech-Nissan, einem Groine Mercedes sowie dem eigenwilligen Zil-Buggy von Sergey Shmakov aus Russland und dem neuen Werks-Nissan Navara von Sandor Kis neben vielen Privatiers bestens besetzt, von den besten Motorradpiloten der Welt einmal ganz abgesehen. Und auch bei den Lkw geben sich mit Vismara Sport, Mercedes Italien, Iveco und Flex-MAN zahlreiche Dakar-Top-Teams die Klinke in die Hand.

Für besonderes Aufsehen sorgte neben dem neuen Zil Eigenbau-Buggy des Russen Sergey Shmakov (er fuhr bisher mit einem Fast&Speed Honda-Buggy) und dem neuen Nissan Navara (Werks-Aufbau von Nissan Motorsport in Süd Afrika) von Sandor Kis (Ungarn) ein professionell aufgebauter Audi-Buggy - wie der Buggy von Shmakov auf Basis eines Grundfahrzeuges des amerikanischen Herstellers Jimco.

Ein belgisches Team, bisher mit Quads unterwegs, kam Ende letzten Jahres auf die Idee, als Hobby (also nicht kommerziell) auf das Auto umzusteigen. Da alle Mitglieder des Teams aus verschiedenen Berufen stammen und jeder etwas auf seine Art zum Fahrzeug beitragen konnte, entschloss man sich, ein eigenes Auto zu entwerfen und umzusetzen.

Weil auch ein Audi-Händler unter den Teammitgliedern ist und zudem noch nie ein professionell aufgebauter Audi im Rallyraid-Sport unterwegs war, fiel die Wahl auf die Ingolstädter Marke. Auch wenn sich der Hersteller selbst nach Bekanntwerden der Pläne dagegen sträubte und jede Hilfe untersagte, entmutigte das die fröhlichen Belgier nicht - sondern ermutigte sie noch eher. Eine aufmerksame Presse wäre ihnen auf jeden Fall sicher...

Optisch (in etwa) an das TT-Design angelehnt entwarf man schliesslich eine Karosserie für den Jimco-Gitterrohrrahmen, baute einen 4-Liter Audi-Motor und ein Audi-Getriebe ein und wurde schliesslich erst kurz vor Beginn der Pharaons fertig. "Es hat gerade noch für einen Testlauf gereicht, dafür war dann gleich das Fernsehen mit dabei".

Leider sollten sich die fehlenden Tests sowohl am ersten als auch am zweiten Rallytag zum Nachteil auswirken - am ersten Tage fiel zuerst die vordere Abdeckung ab, dann gab es Probleme mit einigen Teilen und man musste abbrechen. Am heutigen zweiten Rallytag ist das Team bis 20:00 Uhr immer noch nicht im Camp angekommen.

Pech hatte gestern auch der Ungar Sandor Kis mit seinem neuen Nissan. Nach der Hungarian Baja war die Pharaons nur als erster grosser Test ausgelegt, dennoch wollte man gerne nach vorne kommen. Doch das Getriebe - eine Notlösung, da das gewünschte Teil nicht rechtzeitig vor der Rally lieferbar war, gab seinen Geist in den ersten Dünen auf, die ganze Nacht hindurch reparierte das Team den Nissan mit Hochdruck. Am heutigen Morgen konnte der Nissan jedoch wieder starten und schaffte es trotz einiger Reifenpannen immerhin noch auf Platz 8. Die Chancen auf eine gute Platzierung sind jedoch dahin, da das Team für den Abbruch am Dienstag eine saftige Zeitstrafe von 11 Stunden aufgebrummt bekam.

Nach dem Start ging es gestern gleich in die erste Etappe in die Oase Baharija weiter im Süden des Landes. Dabei mussten bereits über 400 Kilometer in Wertung bewältigt werden. Als Tagessieger schaffte es gestern der Russe Shmakov mit seinem neuen Buggy vor Ivan Muller im Dessoude Nissan und Paulo Nobre im X-Raid BMW X3. Nobre´s spanischer Kollege Jose Luis Monterde kam nach einem Schade an der Antriebswelle "nur" auf Platz vier. "Wir haben nur 12 Minuten gebraucht, die Antriebswelle auszutauschen" berichtet ein X-Raid Mechaniker stolz.

Überhaupt ist das X-Raid Team mit seinen Kunden Monterde und Nobre sehr engagiert dabei. "Wir wollen eben nicht nur unseren Kunden beweisen, das unsere Fahrzeuge ganz vorne mitfahren" berichtet ein Teammitglied. Obwohl Teamchef Sven Quandt nicht persönlich an der Rally teilnehmen kann, läuft die Arbeit bei den Deutschen ohne Probleme und mit guter Laune. Das beweisen nicht zuletzt die guten Zeiten der Treburer: Am heutigen Mittwoch konnte Jose Luis Monterde den Etappensieg einfahren, Kollege Paulo Nobre aus Brasilien kam auf Platz vier.

Die Sensation schlechthin lieferte jedoch der Franzose Yvan Muller ab - ein absoluter Neueinsteiger im Rallyraid-Sport. Allerdings ist Muller bereits seit Jahren im Tourenwagen-Sport aktiv, das ist allerdings kein Garant für den Marathonrally-Sport. Dennoch sorgte Muller für Staunen bei den Kennern der Szene: Auf Anhieb kam der Franzose super mit seinem Dessoude Nissan Proto (Ex Nissan-Werksfahrzeug) klar, erkannte die Ansprüche im Rallyraid-Sport in Sekunden und schaffte es bei seinem Einstand gestern prompt auf Platz zwei. Doch damit nicht genug, heute wiederholte der Franzose eindrucksvoll sein Ergebnis vom Dienstag. "Muller hat bei Volkswagen gestestet, das hörte Teamchef André Dessoude und bot ihm einen Platz im neuen Dessoude Nissan an" berichtet eine Sprecherin von Dessoude. Sie selbst ist nicht überrascht: "André hat eine Nase für gute Fahrer".

Während die heutige Etappe (500 Kilometer Wertung) durch die berühmte "White Desert" führte, eine eigenwillige Landschaft aus gingantischen Kalksandsteinen und teils metertiefem Fesch-Fesch, führt die morgige Etappe erstmals durch grosse und "echte" Sanddünen. Dabei müssen neben 60 Kilometern purer Dünen noch 340 Kilometer Pisten und sandige Strecken bewältigt werden.

Aufgrund der engen Zeiten schaffen wir es leider nicht immer, pünktlich bis zum Schluss des Rallybüros (21:30 Uhr heute) alles online zu stellen, daher kommt es in der Berichterstattung zu kleinen Verzögerungen. Die aktuellen Tabellenstände des heutige Tages (Etappe 2) finden Sie in den News.

Artikel vom 04.10.2006, Artikel: Pharaons Live Team/hs








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