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 | Pharaons 2006: Erster Etappensieg für Paulo Nobre im BMW |
 Am heutigen Sonntag wurde die letzte grosse Etappe der Pharaons 2006 ausgetragen, bevor am morgigen Montag nur noch eine kleine Etappe zwischen der Überführung zurück nach Kairo und dort direkt aufs Podium führt. Über 430 Kilometer mussten zurück von der Oase Siwa nach Baharija bewältigt werden, knapp 402 Kilometer in Wertung und 200 Kilometer im grösstenteils festen Sand und über hohe, langgezogene Dünen.
Diese Etappe schien vor allem dem Brasilianer Paulo Nobre im X-Raid BMW X5CC zu liegen, mit 3:27 Minuten Vorsprung gewann er die Etappe vor dem Russen Sergej Shmakov (ZIL Buggy, Entscheidung vorbehaltlich des FIA-Meetings, siehe weiter unten) und dem überraschend auf den dritten Platz vorgefahrenen Israelis Yehoshua Heymann-Raz und Hillel Segal im eigenwilligen Pointer-Mitsubishi Prototyp. Entsprechend freute sich der Brasilianer im Ziel: "Wahnsinn, ich konnte die Nachricht erst gar nicht glauben. Mir war nicht bewusst, Shmakov überholt zu haben und ich fühlte mich auch nicht als Erster, erst im Ziel habe ich die Nachricht bekommen" so Paulo Nobre. "Unser Auto läuft gut, ich bin momentan sehr zufrieden. Zwar können wir Shmakov am Montag nicht mehr schlagen, aber wenn alles gut läuft, ist uns unser zweiter Platz auf dem Podium sicher."
Immer noch nicht rund lief es bei dem gestern vom Pech verfolgten X-Raid Teamkollegen Jose Luis Monterde. Er hatte heute mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen und überquerte die Zielline an siebter Position. In der Gesamtwertung liegt der Spanier jedoch weiter auf Platz 3, hat allerdings nur noch knapp 32 Minuten Vorsprung auf den viertplatzierten Franzosen Jerome Pelichet im Bowler Wildcat.
Überhaupt wurde die Tageswertung heute komplett gemixt - der viele Sand machte es möglich. So schaffte es die Italienerin Prisca Taruffi mit ihrem Nissan Pickup heute auf Platz vier vor dem Mercedes ML von Jean-Pascal Besson (Frankreich) und Jerome Pelichet´s Bowler.
Das Französisch-Deutsche Team Rosso Laurent/Rolf-Joachim Neugebauer kam heute hinter Jose Luis Monterde auf Platz 8 ins Ziel. "Wir sind gut gefahren, hatten keine Probleme. Allerdings fanden wir die Dünen für unsere Verhältnisse (beide wohnen in Dubai) etwas langweilig und die vielen Buckelpisten zwischendurch liegen unserem T2-Nissan Pathfinder nicht so besonders" so Neugebauer. "Aber wir sind mit dem Ergebnis zufrieden - und in der Gesamtwertung haben wir uns sogar knapp auf Platz 7 vorgearbeitet".
Sandor Kis vom ungarischen RTL Motorsport Team kam heute erst an 11. Position ins Ziel - nicht wegen technischer Probleme, sondern wegen einiger besonderer Tests. "Wir sind zum ersten mal mit dem neuen Auto in den Dünen und somit haben wir uns zu einigen Experimenten entschieden" berichtet Sprecher Zsolt Varkony. "Immer, wenn alle anderen Teilnehmer einen Bogen um ein Dünental gemacht haben, sind wir mit Absicht hineingefahren, auch um eventuell stecken zu bleiben. Das ist auch passiert - und schon hat sich unser Test bezahlt gemacht. Wir haben festgestellt, das unsere automatische Bergefunktion im neuen Fahrzeug nichts bringt" so der Ungar. "Bei unserem alten Fahrzeug ist ein hydraulischer Stempel ausgefahren, der das Auto aus dem Sand drückt. Wir brauchen dann nur noch Bleche darunterlegen und sind raus. Beim neuen Auto haben wir ein System mit Luftdruck - allerdings muss man im Erstfall die Stempel selbst aufschrauben. Das bringt natürlich nichts, weil man dann ebenfalls im Sand buddeln muss und entsprechend Zeit verliert. Das Teil werden wir also als erstes auswechseln" so Varkony.
Einen besonderen und gleichzeitig schon wieder amüsanten Zwischenfall gab es heute am Servicepunkt neben dem CP 2. Sergej Shmakov hielt neben seiner Crew, da er einen Schaden an seinem ZIL-Buggy bemerkte. Wütend stieg er aus dem Buggy aus und fluchte laut "I will burn this f...... car". Die Mechaniker machten sich emsig an die Arbeit den Schaden zu reparieren - und machten dabei einen entscheidenden Fehler: Sie befüllten das Fahrzeug verbotenerweise mit Benzin und schweissten gleichzeitig an der Front. Während die Organisation noch damit beschäftigt war, ein Betankungsverbot im Service-Bereich auszusprechen, entzündete sich verschüttetes Benzin nahe der Schweissarbeiten und setzte einen kleinen vorderen Teil des Buggys in Brand. Ob die Mechaniker den Fluch des Russen zu ernst nahmen? Auf jeden Fall steht am Abend noch eine Entscheidung aus, ob Shmakov dafür eine Zeitstrafe bekommt. Deshalb ist das Tagesergebnis nur als vorläufig anzusehen.
Während bei den Pkw und Lkw heute alles glattlief, gab es bei den Motorrädern einen Unfall. Der an vorderer Front fahrende Chilene Carlo de Gavardo stürzte mit seiner KTM an einem Hang und brach sich dabei ein Bein. Er wurde mit dem Helikopter aus den Dünen geholt und im Anschluss direkt in das Amerikanische Krankenhaus in Kairo gebracht.
"Wir haben die Unfallstelle gesehen" berichtet Akos Jobbagy vom Flex MAN Team. "Dort war eine 50 meter hoher Abhang und De Gavardo hat ihn nicht gesehen. Der Schaden am Motorrad sah wesentlich schlimmer aus. Zum Glück war es nur ein gebrochenes Bein". Jobbagy war mit der heutigen Etappe nicht ganz glücklich: "Die ersten 300 Kilometer waren wunderbar, aber dann kamen 100 Kilometer Buckelpiste, eine reine Materialschlacht, die einfach keinen Spass macht. Wir mussten es daher am Ende ruhiger angehen".
Am morgigen Montag endet die Pharaons 2006 mit einer letzten kurzen Etappe zwischen der Überführungsstrecke von Baharija nach Kairo, im Anschluss geht es direkt auf das Podium vor der Sphinx in Gizah. Das Live-Team von marathonrally.com wird sich im Anschluss direkt nach Tunesien begeben, um ab Dienstag Abend live von der Erg Oriental Sahara Rally zu berichten.
Artikel vom 08.10.2006, Artikel: Pharaons Live Team/hs

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